Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- Berlin
- Date
- 1905-06-01
- Page
- 360 (sequence 2)
- Language
- German
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360 3m deutschen Reich. heißen. Darum fort mit diesen „konfessionellen" Angeboten, die durch Aussäen von Zwietracht die bisherige erfreuliche Einmütigkeit der Kollegen auf das Ernstlichste gefährden!" Im 73. Lebensjahre ist am 26. Juni unser hochgeschätztes Ver> einsmitglied, Dr. Max Hirsch, Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses, in Homburg an einer inneren Verblutung verschieden. Der Verstorbene hat als Mitbegründer und als Anwalt der deutschen Gewerkvereine eine bedeutungsvolle Tätigkeit entfaltet, durch die von ihm ins Leben gerufene Humboldt-Akademie für die Popularisierung der Wissenschaft Dankenswertes geleistet und als Verfitzender der Deutschen Früdensgi sellschast für die allgemeinen Friedensbestrebungen eifrig zu wirken gesucht. Auf vielen Gebieten des öffentlichen Lebens selbstlos tätig, hat Dt. Max Hirsch in den zwei letzten Jahren auch für die Sache des Central-Vereins ein regeres Interesse empfunden und insbesondere durch wiedei holten B such der Vereinsversammlungen bekundet. Wir werden ihm ein ehrenvolles Gedenken bewahren. Ein Berliner Mitarbeiter berichtete dem Stuttgarter „Schwäbischen Merkur": Wieder einmal ist der Berl. LokalarZeiger in der Lage gewesen, einen Zipstl des den SLengei'schen Reichsfinanzplan verhüllenden Schleiers zu lüsten: nicht nur eine Reichserbschaftssteuer, sondern auch eine Reichswehrsteuer wird beabsichrigt. Em neuer Gedanke ist auch diese nicht mehr. Fast ein Vierteljahrhundert ist darüber vergangen, daß bk Regierung mit einer Wehrpeuervorlage an den Reichstag herantrat. Man hat im Lauf der Zeitm gar manches Fiasko von Stenervorlagen gesehen, ein so vollständig vernichtendes , wie in diesem Fall aber niemals wieder. Der Gesetzesentwurf fand im Reichstag nicht einen einzigen Befürworter. Heute kann man freilich von antisemitischen Rednern ganz offen erklären hören daß ihnen eine solche Wirkung der Wehrsteuer durchaus erwünscht wäre, um die Juden aus der Armee herauszubringen und Zugleich dem Reich noch besonders tributpflichtig zu machen. Indes wird man diese Herren, da doch wohl auÄ jetzt ein ausschließlich auf die Juden beschränktes Wehrsteuergesetz nicht Zu erreichen sein wird, ein wenig an ihr sonst immer so lärmend zur Schau getragenes nüttelstandfreundliches H rz errinnern müssen. Eine Wehrsteuer nach dem Muster der Vo-lage von 1881 würde in erster Linie eine neue schwere Last für Len Mittelstand werden; statt Gerechtigkeit würde die neue Steuer vielfach härteste Ungerechtigkeit schaffen; insbesondere würde das unter diesem Gesichtspunkte schon bisher ö stehende Mißverhältnis Zwischen söhnereichen und kinderlosen oder nur mit Töchtern gesegneten Familien noch ganz außerordentlich verschärft werden."