Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- Berlin
- Date
- 1905-06-01
- Page
- 362 (sequence 4)
- Language
- German
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862 Im deutschen Reich. gründeten Gerüchts, sondern auch gegen die Verbreiter desselben, einen hiesigen Rechtskonsulenten D. und gegen dm verantwortlichen Redakteur der „Staatsbürger-Zeitung", Herrn E. Kammer, Strafantrag gestellt. Die beiden ersteren sind deshalb bereits im vorigen Jahre zu Geldstrafen verurteilt worden; gegen Herrn Kammer konnte aber in dieser Sache erst am 17. Mai d. I. verhandelt werden. Das inzwischen rechtskräftig gewordene Urteil lautet auf 50 Mark Geldstrafe und die Verpflichtung, den Tenor des Urteils auf Kosten des Beklagten in der Staatsbürger-Zeitung zu veröffentlichen. Unter der Ueberschrift „Lustmord?" berichtet die Staatsbürger-Ztg.": „Ein seit Sonnabend nachmittag vermißter 15 jähriger Knabe aus Memo bei Senstenberg wurde, wie uns aus Kottbus gedrahtet wird, ermordet unter Spreu verdeckt bei Drochow ausgefunden. Er ist von einem Bergmann verschleppt worden, der nunmehr als des Lustmordes verbuch.ig verhaftet wurde". — Daß der Bergmann kein Jude ist, wird dem Antisemitenblatt klar sein, aber durch das der Spitzmarke hinzugkfügte Fragezeichen sucht es unverkennbar daran Zweifel zu erwecken und die Möglichkeit eines anderen Beweggrundes zu dieser Mordtat anzudeuten. co Magdeburg, 1. Juni. In der Mitgliederversammlung des hiesigen „Vereins selbständiger Kaufleute" (Verein Magdeburger Spezialgeschäfte) hielt am 26. v. M. der Syndikus einen Vortrag über den „Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verband". Aus diesem Vortrage gibt die Magdeburger Zeitung u. a. folgende Aeußerungen wieder: „Während die anderen kaufmännischen Eehilfenverbände sich das Prinzip der Selbsthilfe zueigen gemacht haben, vertritt der Deutsch-nationale Handlungsgehilfen-Bei band ebenso wie der sozialdemokratische Zentralverband der Handlungsgehilfen und G.hilfinnen den Standpunkt, daß die Schäden, unter denen der Handlungsgehilfenstand nach Auffassung dieser Verbände krankt, nur durch Staats- Hilfe aus der Welt geschafft werden können. Der Vortragende vertrat den Standpunkt, daß die Gewerkschaft als Orgamsationsfmm für die Handlungsgehilfen zu verwerfen sei. Nach weiteren Ausführungen über die Ziele, Bestrebungen und Einrichtungen des Verbandes ging Redner zur Erörterung der Frage über: „Worin liegt die Gefahr des Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes für die selbständige Kaufmannschaft"? Die Antwort lautete:. Einmal in der Orgamsationsform, ferner in dem sk-upelloscn, ja oft nicht einwandfreien Vorgehen des Verbandes und schließlich darin, daß der Deutsch-nationale Handlungsgehilsen-Verband die