Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-06-01
- Page
- 358 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Hrodna 1× ep/1044655
- Minsk 1× ep/1000754
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358 Im deutschen Reich. Soldaten,, denen-sich nicht nur einige Kameraden von der 55. Brigade, sondern auch Polizisten angeschloffen hatten, wobei mehrere Juden verwundet und einige getötet wurden. Am Pfingstsonntag fielen in Brest-Lttewsk Reservisten aus der Gegend voll Klschinew über die Juden her, demolierten mehrere Läden und Wohnungen und raubten die Waren. Zunächst verhielt sich die Polizei passiv, als sich aber einige Juden gegen die andraugenden, betrunkenen Reservisten zur Wehr setzen wollten, lüß ein Polizetkommiffar, der eine Patrouille von zwölf Infanteristen befehligte, ohne jede Warnung zwei Salven auf sie abgeben. Die Wirkung war furchtbar. Neun Personen wurden sterbend in die Spitäler gebracht, 15 Schwerverletzte nahmen die Hilfe von Privatärzten in Anspruch, außerdem wurden noch etwa 30 leichter verwundete Personen gezählt. Eine gerichtliche Untersuchung dieser ist eingeleitet; eine Abordnung der Bürgerschaft erhob inzwischen bei dem aus Grodno cingetroffenen Vizegouverneur Osuobischin Klage über das Verhalten der Polizeibehörden und bat um Schutz des Lebens und Eigentums. Die letzten Bluttaten in Minsk, wo in der Rolle der Knawallhelden die Soldaten der örtlichen Regimenter hervorgetreten sind, bilden die allerneueste Taknk der felöstherrfchenden russischen Clique. Diese bereitet allem Anschein nach eine neue Reihe von Judenkrawallen mit Hilfe Zuchtloser Soldaten und Reservisten vor, nachdem der städtische Pöbel durch die Selbstverteidigung der Juden emgeschuchtert worden ist. Der von dem einflußreichen Staatsmann Bulygin gelieferte Entwurf zur Schaffung einer russischen Selbstvertretung begründet den Ausschluß der Juden von der Volksvertretung damit, daß es nicht folgerichtig fein würde, bei dem Bestehen der die Rechte der Juden beschränkenden Gesetze sie Zur Ausübung des Wahlrechts oder Zur Mitarbeit in der Volksvertretung Zuzulassen. Eine am 16. Juni in der Petersburger Synagoge unter dem Vorsitz des Barons Horaz Ginsburg abgebaltene Versammlung hat folgende Erklärung beschlossen und an den Ministerrat gesandt: „Die Gemeinde erhebt Einspruch gegen die Absicht der Regierung, sechs Millionen russische Untertanen mosaischen Glaubens vom aktiven und passiven Wahlrecht, sowie von der Teilnahme an der Volksvertretung auszuschließen. Diese Maßregel würde die revolutionäre Bewegung im westlichen Gebiet zu neuen Flammen emporlodern lassen. Die russische Gesellschaft aller Schichten wird austgefordert, mit für die gerechte Sache einzutreten? In Rußland ist die Judensrage noch mehr als anderwärts eine Kultur frage; wird dort der jetzigen antisemitischen Barbarei nicht ein Ziel gesetzt, so sind die Folgen nicht nur für dieses neuzeitliche jüdische