Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-06-01
- Page
- 359 (sequence 15)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 359 ..Tränental", sondern für den ganzen Zarenstaat unabsehbar. Für ihn gibt es keine Rettung durch halbe Reformen, welche sechs Millionen Staatsbürger von einem menschenwürdigen Dasein ausschließen; hier gilt das Wort Schillers: „Der Staat muß untergehen, wo Unverstand entscheidet!'' A. L. Korrespondenzen» ♦ Berlin, 27. Juni. In der Berliner Aerzte-Korrespondenz finden wir folgendes: „Medizin und Religion" überschnebene Mahnwort: „Der unbefangene Leser der „Aerztlichen Mitteilungen" wird bei Durchsicht der neusten Rubrik „Stellennachweis" von der wirtschaftlichen Abteilung des Deutschen AerZtevereinsbundes (Leipziger Verband) staunend den Kopf schütteln. Von 56 Angeboten: Assistenten, Vertreterf Praxirstellen haben 32, also mehr als die Hälfte, den Zusatz „Christ" oder „evangelisch," „protestantisch." Ist es nur ein Zeichen von Unbefangenheit, wenn der Leser bisher der Ansicht gewesen ist, daß vor allem eine gründliche Kenntnis der wissenschaftlichen und praknschen Medizin, ein gefestigter Charakter, gute Umgangsformen die Fähigkeit eines tüchtigen Arztes bedinaen? Was hat aber um Himmelswillen die Tätigkeit des Arztes mit der Religion oder Konfession zu tun? Haben nicht deutsche Aerzte verschiedenen religiösen B kenntwsses, die wir mit Stolz die Unfern nennen, unsere Wissenschaft aus das Glänzendste fördert? Standen nicht in den letzten Jahren alle deutschen Aerzte Schulter an Schulter im Kampf um die wirtschaftliche H-bung unseres Standes? Zeigt nicht die tägliche Erfthmrg, daß christliche Aerzte an jüdischen Krankenanstalten, in jüdischen Familien sowie jüdische Aerzte an christlichen Krankenhäusern mit großem El folg ihre Tätigkeit ausüben? „Die Aerzte sind die Führer der Nation" wird in unfern Blättern mit Stolz c inert; der ärztliche Beruf ist ein freier, ein unabhängiger nach oben und nach unten! Wie stimmt dies oben bezeichnete Verfahren mit diesen hochtönenden Worten überein? Man sollte doch meinen, daß das dem Arzte innewohnende Gerechtigkerts- und Unabhängigkeitsgem ihn in erster Reihe verpflichte, sich den engherzigen und rückständigen Anschauungen gewisier Kreise kraftvoll entgegenzustellen und nicht derartige ungerechte und kulturfeindliche Bestrebungen gutzu-