Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-06-01
- Page
- 355 (sequence 11)
- Language
- German
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Umschau. 355 gegen die Juden verübt worden sind. Er werde Russen nach Berlin importieren, damit diese seine lieben roten Kerle, denen Zu Ehren er an diesem Abend eine rote Kravatte angelegt habe, Unterricht im Verdreschen erteilen sollten. Die Polizei würde ja in Berlin keine Schwierigkeiten machen, da sie vom obersten Leiter bis zum jüngsten Leutnant herab auf seiner Seite sei. „Ihr Lieben roten Kerle", rief er der Versammlung zu, „ich habe Euch io lieb; rot ist von jetzt an nicht mehr dis Farbe der Revolution, sondern eine Ehrenfarbe. Macht es so wie die Russen und ruft: „Wir spalten den Kerls die Schädel wie Nüsse!" Wenn Jbr aus meine Vorstellungen hört, Ihr lieben roten Kerle, und mir versteht, so wird das deutsche Volk zur Weltherrschaft gelangen und Ihr Werdet wohlhabende und reiche Leute werden. Fort mit den Fatzken und Salonmenschen, die hochmütig aus uns herabsehen, fort mit den einfältigen Staatsanwälten, die anständige Leute, wie mich, immer anklagen, fort mit den Fürsten, die jahraus, jahrein den Juden Besuche abstatten und ihnen Orden und Ehrenzeichen verleihen!" So lobte sich der Wahnsinn weiter aus. Der Polizeileutnant ließ den Unglücklichen gemütlich weiter reden." — Wir sind nicht der Meinung des „Vorwärts"; der Mann, dem nach der Versammlung vor der Tonhalle von der angesammelten Menge Hurrarufe entgsgenschallten, ist nicht unglücklich, auch nicht wahnsinnig; ihn beseelt nur der Wahn, über den Gesetzen zu stehen, und dieser ist begreiflich, wenn sein Gebühren von Justiz und Verwaltung Weise geduldet wird. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg; den fortgesetzten Verletzungen des § 130 des Strafgesetzbuchs durch den rechtskundigen früheren Amtsvorsteher von Klein-Tschirne ist ebenso gut Einhalt Zu tun wie jedem gemeingefährlichen Verhallen eines Anarchisten. Es ist eigentümlich, daß gerade in jüdischen Angelegenheiten in -Preußen die Machtmittel des Staates zu versagen scheinen. Als in Hof in Bayern das Schächten im städLifchen SchlachLhofe verboten wurde, sprach die bayerische Regierung zwar der Stadt- Verwaltung das Recht zu, über ihre Grundstücke frei Zu verfügen, aber sie gestattete andererseits der israelitischen Kultusgemeinde, eine eigene Schlachtstätre zu errichten und unbekümmert um den Schlachtzwang ihre religiöse Einrichtung aufrecht zu erhalten. Der bisher in Konstanz ansässige GeweröeraL Or. v. Schwartz, dessen Schächtverbot-Broschüre trotz ihrer Widersprüche und Ungereimtheiten von