Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-06-01
- Page
- 349 (sequence 5)
- Language
- German
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illujdjCtlL 849 Vorurteil und Glaubenshaß losZulöfen. Die in Eisenach abgehaltene Jahresversammlung der „Deutschen Burschenschaften" hat einstimmig einen Beschluß gefaßt, in dem gesagt wird: „Die Deutsche Burschenschaft, welche ihrer Geschichte und ihren Satzungen gemäß ihre Mitglieder zu vorurteilsfreien Bürgern im nationalen Staate erziehen wcll und sie auf Grund freier wissenschaftlicher Forschung auf der IIuiveositaZ literarum zu einer selbständigen Lebensauffassung führen will, begrüßt mit Freude die vom Verbände deutscher Hochschulen eingeleitete Bewegung für die akademische Freiheit." Der ^Täglichen Rundschau'" zufolge, soll eine Erlanger Burschenschaft sogar eine Resolution vorgefchlagen haben, die folgenden Satz enthielt: „Darum erklären wir als deutsche Studenten, daß wir jede Glaubensform achten, die nicht die Treue gegen das Vaterland ausschließt." Die organisierten FinkensLaften von 17 deutschen Hochschulen haben in Weimar eine Versammlung abgehalten und eine Resolutwn gefaßt, die mit den Worten beginnt: „Die Frnkenschaft bekämpft es, daß der junge Deutsche beim Eintritt in das akademische Leben auf eine bestimmte politische und religiöse Ueberzeugung verpflichtet wird." Auch die deutschen Korps haben in ihrer Pfiagstversammlung in Kosen trotz der vorher in ihrem Organ, den „Akademischen Monatsheften", gegen die freiheitliche Strömung geäußerten Bedenken, eine ähnliche Resolution gefaßt, in der cs heißt: „Der Kösener Kongreß erkennt jedem deutschen Studenten das Recht und die Freiheit zu, sich mit andern aus dem Boden irgendwelcher Weltanschauung zusammenZuschließen; er steht aber innerüch im schärfsten Gegensätze Zu jeder Verbindung, die unter dem Deckmantel der Konfession den Zweck verfolgt, das freie deutsche Gerstesleben unserer Hochschulen zu untergraben." Ein solcher Vorwurf trifft die jüdischen Verbindungen nicht, ebenso darf ihre Vaterlandstreue rncht angezweifelr werden Daß vei allen studentischen Kundgebungen für die akademische Freiheit sich eine freisinnige Strömung geltend macht, die mit dem rmrrelalterlichen Judenhaß unoeremoar irt! müßte freudig begrüßt werden, wenn nicht das Vertrauen durch den Umstand wankend gemacht wurde, daß just dleselven studentischen Kreise ihre Türen den jüdischen Kommilitonen verschließen, dieselben Kreise, dre mir soviel Emphase für die Freiheit und gegen konfessionelle Engherzigkeit sich inö Zeug werfen. Nicht ohne Grund haben die Antisemiten Döring und Drumont auch über die ihr Parteiinteresse begünstigende Tätigkeit des deursch-uarionaleu Handlungsgehilseu-Verbandes sich mit Befriedigung unterhalten, aber sie werden dabei kaum er.