Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-06-01
- Page
- 348 (sequence 4)
- Language
- German
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348 Im deutschen Reich. Wörtlichen Regierungssystems ermöglichen, auch durch den „Donnersmark-Fonds" den weiteren Ausschluß der Juden vom Osfiziersstand opferfreudig begünstigen würden, scheint man angenommen zu haben, jedoch mit Unrecht. Schwerer zu verstehen ist, daß Bedenken dagegen von der „Staatsbürger-Zeitung" vorgebracht werden, welche gegen den angeblichen jüdischen Einfluß der Großbanken zetert, aber um deren seitenlange Anzeigen sich bemüht oder sie sich gern gefallen läßt und durch diesen Einnahmezuschuß wesentlich ihre Existenz erleichtert. Fürst Guido hat selbst für diesen Fonds eine Million gestiftet, von den jüdischen Bankfirmen aber eine vollständige Absage erhalten. Die Sache ist damit jedoch noch nicht ins Master gefallen. Der konservative „Reichebote" schreibt: „Es wäre jetzt Ehrensache der christlichen Bank- und Geschäftswelt, diese Fonds zu schaffen, schon um zu zeigen, daß für einen vernünftigen Zweck auch ohne das jüdische Geld genügende Milte! geschaffen werden können." Vielleicht zeichnet nun auch die „Staatsbürger-Zeitung" für diesen „judenreinen" Fonds einen ansehnlichen Beitrag, da sie sich doch vorher so sehr für eine „Kronprinzen-Spende" erwärrnt hat, für die Umwandlung der ihrem Redakteur Kammer zugedachten dreimonatlichen Gefängnisstrafe in eine Geldstrafe von 300 Mk. dankbar sein und auch dafür erkenntlich sein muß, daß nach der ihr gewiß als zuverlässig geltenden Mitteilung der „Allg. evang.-luth. Kirchenreitung" der vielbesprochene Kronprinzen- Besuch bei dem Kommers des Vereins deutscher Studenten in Berlin vom Kaiser selbst angeordnet gewesen sein soll. Wenn auch der Sendbote des Berliner Antisemitenblattes in Paris die Tätigkeit des „Vereins deutscher Studenten" rühmend hervorhob, ist doch dessen gutes Einvernehmen mit den Führern des „Antisemitenbundes" kaum noch dasselbe wie vor dem erwähnten Kommers. Daß der Alte Herr des Vereins, Dr. Karl Böhme, der sich zur deutsch-sozialen Fraktion Liebermann bekennt, mit konservativem Beistand in dem bisher von dem nationalsozialen Abgeordneten v. Gerlach vertretenen Marburger Reichstagswahlkreise kandidiert hat, ohne sich um die Erlaubnis der antisemitischen Reformpartei zu kümmern, verursachte Herrn Wilhelm Bruhn großen Kummer. Aber auch der von den meisten studentischen Organisationen fortgesetzte Kampf um die akademische Freiheit muß bei den Antisemiten strengster Observanz Befürchtungen wachrufen, da die gebildete deutsche Jugend früher oder später dazu gelangen muß, den Begriff der „nationalen Gesinnung" von dem Raffen-