Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-06-01
- Page
- 347 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau 347 sührung der Anarchie. Nach dem Berichte des Herrn Döring zeigte sich Drumont über den Stand der antisemitischen Bewegung in Deutschland nur mangelhaft unterrichtet, aber von lebhaftestem Interesse estüllt für die Schilderungen Dörings über die Tätigkeit des Vereins deutscher Studenten, des Deutschnationalen HandlungLgehilfen-Verbaudes und ähnlicher Korporationen. Daß Dörings Mitteilungen über die ReichstagsdebatLen bezüglich der Zulassung der Juden zum OffiFierstand und die Haltung des Kriegsmmisters von Einem ihm sehr gefielen, ist sehr glaubhaft. Daß die „nationalistischen" Franzosen, welche ihre Nation durch die schmähliche Drcyfus-Affäre so schwer geschädigt haben, für solche deutschen Verhältnisse begeistert find, unter denen ein jüdischer Generalstabsoffizier zunächst undenkbar, selbst die ZuLaffunF der Juden zum Osfizierstande in weite Ferne gerückt ist, scheint begreiflich. Recht bedauerlich ist, daß Konrad Döring nicht erst nach dem Erscheinen einer „Der Klingelbeutel und das Oiftzierkorps" überschriebenen „Staatsbürger-Z eituugs "-Notiz bei Drumont vorsprach; es wäre in hohem Grade interessant, zu ersehen, ob dieser ebenso abfällig wie das Berliner Antisemitenblair über das durch Hardeus ^Zukunft" an die Oeffentlichkeit gelangte Planchen geurteilt hätte. Harden berichtet nämlich: „. . . Fürst Guido Henckel von Donnersmark hat im Einvernehmen mit dem Reichsbankpräsidenten Dr. Koch neulich die Leiter großer Baukfirmen und andere Notablen zusammengerufen und ihnen allen Ernstes zugemutet, einen Fonds von zehn Millionen Reichsmark zu stiften, aus dem der Kaiser und König seinen Osfizieren Zulagen gewähren kann. Damit soll dem O fizierkorps die alte Lebensfreudigksit wiedergewonnen und verhütet werden, daß in die Kommandostellen, weil den zur Lieferung des Offizierersatzes geeignetsten Familien das nötige Kleingeld fehlt, minderwertige Elemente aufrücken. Daß man zur Sicherung dieses feinen Plänchens gerade die Finanzmannschaft aufrief, ist allerliebst. Die Juden (die in ihr ja nicht ganz vereinsamt sind) wissen nun wenigstens, daß sie selbst zwar des Portepees unwürdig, dafür aber auserwählt sind, den besser Qualifizierten das Ossiziersleben zu erleichtern. Wahrscheinlich sollen die zehn Millionen dem Kaiser zur Silbernen Hochzeit überreicht werden. Wenn der Mann im Sachsenwa-d noch lebte, würde er mit dem Fürsten Gniw jetzt wohl ein ernstes Wort über Staatepflichten sprechen." Daß jene großen Banifirmen, die durch ihre Zeichnungen auf russische Anleihen die Fortdauer eines für die Greuel von Kischinew und Homel verant-