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Im deutschen Reich · 1905-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1905) · p. 327

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1905)
Article
Jüdische Aerzte einst und jetzt
Date
1905-06-01
Page
327 (sequence 11)
Language
German
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CUl|A Ultv berg ca. 0,6 o/o und ca. 3,6 %, in Baden ca. 1,5 % und ca. 8,6%, in Baden ca. 1,5% und ca. 8,6%, in Hessen ca. 2,3 % und ca. 8,0% in Mecklenburg - Schwerin ca. 0.37 % und ca. 3.0 %, in Lübeck ca. 0,75o/o und ca. 4,0 0/0, in Bremen ca. 0,6 0/0 und ca. 0,6 %, in Hamburg ca. 2,5% und ca. 18%, in Elsaß-Lothringen ca. 1,6 0/0 und ca. 10,8 0/0. Es entspricht ferner der Wahrheit, daß die Aerzte jüdischen Bekenntnisses sich besonders zahlreich in den großen Städten niederlassen. Man macht ihnen daraus einen Vorwurf, als zögen sie die Großstadt des Wohllebens wegen vor, als scheuten sie die Anstrengungen und Unbequemlichkeiten des Landlebens und der kleinen Städte. Doch auch hier besteht der äußere Zwang, der die Verhältnisse schafft. Die Aerzte auf dem Lande und in den kleinen Städten sind vielfach auf die Stellung als Kreisarzt angewiesen, auf die Praxis auf den Gütern, bei den Behörden (Bergwerk, Eisenbahn usw.) Diese Stellen sind ihnen zumeist unerreichbar. Auch gesellschaftlich ist überaus häufig der Arzt als Jude vielfachen Zurücksetzungen und Kränkungen an kleinen Orten ausgesetzt. Was bleibt da dem jungen Arzte übrig, als einen größeren Ort zur Niederlassung aufzusuchen. Auffallend genug ist es, daß unter den vielen jüngeren Aerzten jüdischen Glaubens, die so notgedrungen in den großen Städten sich zusammendrängen, nur wenige Veranlassung zur Klage geben, da ihnen doch so viele Chancen, besonders die Militärlaufbahn, fehlen. Wie wichtig diese ist, zeigt sich in Oesterreich, wo 1893 9,40/0 der Sanitätstruppe Juden waren bei 4 5 0/0 der Bevölkerung. Da ferner viele von den jungen Aerzten ärmeren Familien entstammen, so hätte man befürchten müssen, daß öfter die Not zu einem Verstoße gegen die Anforderung der Standesehre führen würde, zumal doch diese erst seit einigen Jahren durch Ehrengerichte geschützt wird. Man kann aber im Gegenteil sagen, daß gerade der jüdische Teil der Aerzte sich einer besonders hohen Ethik rühmen darf. Als vor ca. 11 Jahren in Berlin eine Bewegung für freie Arztwahl entstand, da waren es gerade Juden, die in der ersten Reihe standen und sür eine gute Sache große Opfer brachten, und zwar waren es gerade solche, welche irgend ein persönliches, materielles Interesse an der Sache überhaupt nicht hatten. Gegen diese Aerzte aber, die unzweifelhaft eine ethische Sache vertraten, kämpfte erbittert bis heute noch eine Gruppe von Aerzten, die dem Aerztevereinsbunde entsprang, der im bewußten Gegensätze zu den allgemeinen Standesvercinen feudal-antisemitischen Tendenzen zum mindesten nicht abgeneigt war. Wenn endlich der Vorwurf laut wird, daß soviele den akademischen Beruf erstreben, so sahen wir doch,

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