Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- Jüdische Aerzte einst und jetzt
- Date
- 1905-06-01
- Page
- 325 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Aerzte einst und jetzt. 325 am 13. Novbr. 1903 der Landeshauptmann in Hessen: „Jede öffentliche Verwaltung hat das Recht, für die von ihr zu besehenden Beamtenstellen nur solche Personen auszuwählen, die sie für die jeweilig in Betracht kommende Stelle nicht nur nach ihrer Vorbildung für den in Frage stehenden Berufs sondern auch nach den sonstigen persönlichen Verhältnissen für geeignet hält. Demgemäß ist es ohne weiteres zulässig, zur Meldung für eine solche Stelle, für die nach ihren besonderen Verhältnissen nur ein christlicher Beamter geeignet erscheint, nur christliche Bewerber anzufordern." Aus welchem Grunde in diesem Falle für ein Landeshospital nur ein Christ als zweiter Assistenzarzt geeignet erscheinen konnte, dürste selbst bsi tiefem Nachdenken dem Herrn Landeshauptmann doch wohl eben so unklar bleiben wie uns allen. Auch für private Anstalten, bei Vertretungen usw. wird seit mehreren Jahren nur allzuhäufig der Vermerk: „Meldung unter Angabe der Konfession" oder das gleichbedeutende „früherer Korpsstudent oder Burschenschafter bevorzugt" gefunden. Antisemitische Aerztevereine, welche zielbewußt gegen die jüdischen Kollegen Vorgehen, gibt es besonders in Oesterreich. Daß etwa die Aerzte jüdischen Glaubens hier zu Lande oder sonst irgendwo in der neueren Zeit zu irgend welchen Bedenken Anlaß gegeben haben, ist selbst von ihren ärgsten Feinden eigentlich nie behauptet worden. Wohl werden auch gegen ihre Konkurrenz die niedrigen Triebe des Antisemitismus geschürt, aber stets ist noch die opferfreudige Hilfsbereitschaft, die Selbstlosigkeit gegen arme Kranke, die gewissenhafte Behandlung am Krankenbette, der wiflenschaftliche Eifer und die sozialhygienische Arbeit der Aerzte jüdischen Glaubens anerkannt worden. Auf allen Gebieten der wissenschaftlichen und praktischen Medizin haben sie Dauerndes geschaffen, zum Teil auch in genialer Schöpferkraft neue Bahnen gewiesen, wie die Kliniker Traube und Jacobson, Rosenstem, der Dermatologe Köbner, die Pathologen Valentin, Weigert, die Physiologen Munk, der Psychiater Lombroso, der Mitbegründer der modernen Bakteriologie Ferdinand Cohen, der Biochemiker und Bakteriologe Ehrlich. Daß z. Zt. auch eine große Anzahl wissenschaftlicher Arbeiter unter den Juden leben, die in ihren Berufen auf fast allen Spezialgebieten der wissenschaftlichen und praktischen Heilkunde Weltruf genießen, wissen Alle. Auch als Militärärzte haben sie in allen Kriegen des letzten Jahrhunderts sich als tapfer und ausdauernd gezeigt, und nie ist eine Klage laut geworden, nie haben sie Geringeres geleistet als ihre Kollegen christlicher Konfession. Trotzdem werden neuerdings wieder Vorwürfe gegen sie erhoben; einmal, daß sie überhaupt so zahlreich Medizin studieren, dann, daß