Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- Jüdische Aerzte einst und jetzt
- Date
- 1905-06-01
- Page
- 324 (sequence 8)
- Language
- German
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yeuijajen e/rercy. aber erst' die volle Gleichberechtigung zugestanden war, gab es auch keinen Unterschied mehr zwischen jüdischen Aerzten und christlichen. In Frankreich, in England, in Amerika, in Italien, in der Türkei sind jüdischen Aerzten alle Stellen zugänglich, nicht nur der Theorie nach, sondern auch in Wirklichkeit. Generalärzte, ordentliche Professoren, Medizinalbeamte, Räte in den Ministerien werden in diesen Ländern unter den jüdischen Aerzten gezäblt. Rußland erschwert der jüdischen Bevölkerung das Studium sehr. Diplomierte Aerzte genießen mit andern Studierten und den Kaufleuten erster Gilde mancherlei Bewegungsfreiheit. Trotz vielfacher Zurücksetzungen ist es vielen von ihnen gelungen, hohes Ansehen zu erringen und auch an Universitäten Lehraufträge zu erhalten. Wie unverhältnismäßig groß die Zahl der jüdischen Aerzte ist, die jetzt zum Kriegsschauplatz gerufen werden, ist bekannt, auch die grausame Bestimmung einzelner Gouverneure, welche den Familien der im Felde gefallenen jüdischen Militärärzte den bisherigen Wohnsitz außerhalb der Judenzone nicht gestatteten, da sie nach dem Tode des diplomierten Familienhauptes, dort zu weilen nicht mehr berechtigt wären. Rumänien zieht jüdische Aerzte zum Militärdienst heran, obwohl die Juden bekanntlich dort immer als Ausländer behandelt werden. Aber man überträgt ihnen die Funktionen der Militärärzte, ohne ihnen den Rang ihrer christlichen Kollegen zuzugestehen. In Deutschland und Oesterreich sind bekanntlich seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts durch das Gesetz alle Schranken, die Geburt oder Glauben früher bildeten, gefallen. Es gab eine Zeit, in der man es verschmähte, nach dem Glaubensbekenntnis zu fragen und Tüchtigkeit allein für die Berufung in staatliche Stellung maßgebend war. Damals gab es, wie übrigens auch jetzt noch in Oesterreich, zahlreiche jüdische Militärärzte auch in den höheren Chargen; es wurden vielfach jüdische Aerzte als Medizinalbeamte angestellt. Die Verhetzung der letzten 25 Jahre hat hierin wieder einen Rückschritt gebracht. Als vor einigen Jahren die Medizinalreform vorgenommen wurde, wurden von den alten jüdischen Kreisphysicis nur vereinzelte als Kreisärzte übernommen, und Reuanstellung von solchen kommt kaum noch vor, ebensowenig wie die Einstellung von aktiven Militärärzten. Die Universitäten, welche früher einzelne ordentliche Professoren jüdischer Konfession hatten, haben seit Jahren auch den anerkannt Tüchtigsten eine ordentliche Professur versagt, solange sie nicht ihren ererbten Glauben wechselten. Ja selbst städtische Behörden und staatliche Anstalten sprechen bei Ausschreibung zuweilen offen das Verlangen eines Taufzeugnisses aus. Auf eine Vorstellung des Centralvereins erwiderte