Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- Jüdische Aerzte einst und jetzt
- Date
- 1905-06-01
- Page
- 323 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Aerzte £mjt uno je^t- 020 aus dem 12. Jahrhundert: „Gib, daß mich beseele die Liebe zur Kunst und zu Deinen Geschöpfen! Lasse es nicht zu, daß Durst nach Gewinn, Haschen nach Ruhm und Ansehen sich in meine Tätigkeit mischen, denn diese sind der Wahrheit und der Menschenliebe feind und sie könnten auch mich irreleiten in meinem Berufe, das Wohl der Menschen zu fördern. Stärke die Kraft meines Körpers und meiner Seele, daß sie unverdrossen immerdar bereit seien, zu Helsen und beizustehen dem Reichen und dem Armen, dem Guten und dem Bösen, dem Freunde und dem Feinde, laffe im Leidenden stets mich den Menschen sehn, möge mein Geist am Krankenbette stets Herr seiner selbst bleiben, möge kein fremder Gedanke ihn zerstreuen, damit alles, was ihn Forschung und Erfahrung lehrten, ihm stets gegenwärtig sei.^ Schöner und edler kann man wohl kaum den Beruf des Arztes aufsassen, als es hier geschieht. Bevor ich mich der neuen Zeit Zuwende, möchte ich nur ganz kurz über die geographische Verteilung der jüdischen Aerzte im Occident berichten. In Italien sind sehr frühzeitig jüdische Aerzte bekannt gewesen und haben späterhin fast ausschließlich dort diesen Beruf ausgeübt. Dann waren sie in Spanien, in Frankreich, später in Holland, in Kreta, Sardinien, Korfu, Egypten, Polen, erst sehr spät in England. Da die deutschen Hochschulen anders als die romanischen die Juden von ihren Hallen sernhielten, mußten diese länger als im Süden sich auf die aus der arabischen Kultur in den Talmud und die rabbinischen Werke hinübergeretteten Kenntnisse beschränken. Später wurde die Zahl der gebildeten jüdischen Aerzte auch in Deutschland sehr groß und überwog bei weitem die der christlichen. So' waren z. B. 1600 in Frankfurt a. M. bis auf 1 christlichen nur jüdische Aerzte zu finden. Bemerkenswert ist, daß unter ihnen zahlreiche Spezialisten, besonders Augenärzte sich befanden und daß eine ansehnliche Zahl von jüdischen sehr gesuchten Aerztinnen aus dem Mittelalter bekannt ist. In Berlin ist 1693 Loebel der erste jüdische Arzt gewesen. Von berühmten Aerzten sind dort besonders zu nennen Markus Elieser Bloch, als Ichthyologe bekannt, dann Salomon Gumpertz, Aron Emmerich, Leo Elias Hirsche! und Markus Herz, der Mann der Henriette Herz. Herz war auch Arzt des jüdischen Krankenhauses in Berlin. Die neue Zeit wurde für die Juden eingeleitet durch die französische Revolution; doch dauerte es dann noch immerhin eine beträchtliche Zahl von Jahren, bis die Begriffe von Gleichheit und Brüderlichkeit gegenüber den Juden sich wirklich Bahn brachen bis hinein in alle Schichten des Volkes und der Regierung. Nachdem