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Im deutschen Reich · 1905-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1905) · p. 320

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1905)
Article
Jüdische Aerzte einst und jetzt
Date
1905-06-01
Page
320 (sequence 4)
Language
German
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320 Im deutschen Reich. die bedeutenden Ergebnisse der griechischen Schulen sich nutzbar machte. Eine gewisse Summe von Kenntnissen, die nur durch ein geordnetes Studium erwrnben werden konnte, war jedenfalls schon in frühen Zeiten erforderlich, da erst nach bestandenem Examen vom bstb-äiu die Erlaubnis zum Praktizieren gegeben wurde, während in Rom zur gleichen Zeit jeder ohne Prüfung kurieren und sich Arzt nennen durfte. Als dann nach der Zerstreuung des Volkes die Juden überall mit der Kultur der sie umgebenden Völker in Berührung kamen, benutzten sie bald auch alle ihnen nur irgend zugänglichen Lehrquellen und wurden schnell sogar die Vermittler fremder und die Spender neuer Erkenntnisse für die Bewohner des Abendlandes. Besonders zeichneten sich die jüdischen Gelehrten als Uebersetzer und Herausgeber der griechischen und arabischen Autoren aus. Moses ben Maimon, genannt Maimonides, geb. 1135 in Cordova, gab einen Abriß aus Galens Werken heraus. Er sagte: „Wer sich einem Arzte, dem die Theorie seiner Wissenschaft unbekannt ist, anvertraut, gleicht dem, der trotz widriger Winde auf Seereisen geht. Oft leiten sie ihn ja nach feinen Wünschen, aber öfter verschlingen sie das Schiff, das ihn trägt". Jsak ben Soleiman el Israel (ungefähr 950) und Eben Zohar (1070), Sabbatai ben Abraham, genannt Donnolo (geb. 913) haben große Werke über Diätetik, Augenleiden, Frauenkrankheiten, Fieber, Arzneipflanzen hinterlassen. Sacchut genannt Zacutus Lusitanus (geb. 1575) wirkte in Lissabon als Maranne, ging dann nach Amsterdam, um sich öffentlich als Jude zu bekennen, und betrieb dort eine ausgebreitete praktische und wissenschaftliche Tätigkeit. Rodriguez de Castro (1598 bis 1627 zu Hamburg), Tobias Cohn, geb. 1652 zu Metz, Marx in Hannover (gest. 1789), verdienen besondere Erwähnung aus der Zahl wissenschaftlicher Arbeiter. Viele solche wirkten auch an Universitäten. Die ersten jüdischen Hochschulen im Abendlande, in denen auch Medizin gelehrt wurde, befanden sich im 9. Jahrhundert in Arles und Narbonne; fast alle Aerzte, die aus diesen Schulen hervorgingen, waren zugleich Rabbinen. 1025 wurde in Montpellier eine staatliche Hochschule gegründet, an der in hebräischer und arabischer Sprache gelehrt wurde. Ost wurden dort jüdische Professoren zu Dekanen gewählt. Im 11. Jahrhundert lehrten auch an der berühmten Hochschule von Salerno zahlreiche Juden, auch eine Frau, Rebecca, die über Nierenkrankheiten und Entwicklungsgeschichte schrieb Doch nicht nur von den Fakultäten und den Regierungen wurden die jüdischen Aerzte in ihrer wissenschaftlichen Leistung anerkannt, sondern auch im ganzen Volke galten sie überall als die trefflichsten Helfer in Krankheit. Ja es ging so weit, daß man glaubte, nur die Juden hätten von

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