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Im deutschen Reich · 1905-05-01 · Heft 5 (Mai 1905) · p. 302

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 5 (Mai 1905)
Article
Wien
Date
1905-05-01
Page
302 (sequence 3)
Language
German
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302 Im deutschen Reich. Blätter aus diesem gerichtlich festgestellten Tatbestände gemacht haben. Sie berichteten, daß ein Schulmädchen in einen jüdischen Kramladen geschickt wurde, um Einkäufe zu besorgen, und daß die im Laden anwesenden Juden das Mädchen in eine entlegene Stube zerrten, wo sie es splitternackt auszogen, wuschen und dann in einen Keller einsperrten. Sie erzählten ferner, daß die Kleider des Mädchens auf jüdischem Grund vergraben aufgefunden wurden. Es ist klar, daß man es hier entweder mit dem Phantasiegebilde eines hysterischen Mädchens zu tun hat oder daß das Kind von dritten Personen zu diesen Beschuldigungen gegen die Zmigroder Juden angestiftet worden ist. Wir haben dem Jasloer Advokaten Dr. Steinhaus den Auftrag gegeben, nach formellem Abschluß der Untersuchung gegen das Mädchen die Verleumdungsklage anzustrengen, damit auf diese Weise die Urheber dieser nichtswürdigen Beschuldigungen entdeckt werden. Ferner haben wir an das Justizministerium das Ersuchen gerichtet, durch die Staatsanwaltschaft in Jaslo die lügnerischen Darstellungen der antisemitischen Blätter amtlich berichtigen zu lasien. Der diesbezügliche Auftrag ist vom Justizministerium an die Oberstaatsanwaltschaft nach Krakau ergangen." Das antisemitische „Deutschs Dolksblatt" schreibt: „Das „Alldeutsche Tageblatt" rügt die auch von uns schon so oft gegeißelte Unsitte, daß sich sogenannte antisemitische Abgeordnete durch Lieferung politischer Artikel in den Dienst der Judenpresse stellen. Es nagelt diesbezüglich die Abgeordneten Prade, Derfchatta, Dobernigg und Kaiser an, die in den Oste» blättern ihre Reverenz vor dem Judentume machten. Was aber sagt der Abgeordnete Berger, der bekanntlich in der Ofternummer der „Zeit" mit einem Artikel paradierte, zu diesen Auslassungen eines für die Stimmung der leitenden alldeutschen Parteikreise doch gewiß einwandfreien Zeugen?" (Dem jüdischen Journalisten vr. Hamburger in Berlin hat bekanntlich der spätere Mitarbeiter der „Staatsbürger- Zeitung" und antisemitische Reichstags - Abgeordnete Ludwig Werner gegen Honorar Berichte geliefert. Er hat dies dann in Abrede gestellt, mußte es sich aber gefallen laffen, öffentlich „Lügner" genannt zu werden.) Der in der- Nacht zum 11. d. M. hier verstorbene Vizebürgermeister Josef Strohbach, der 1896, als Luegers Wahl zum Bürgermeister erst nicht bestätigt wurde, deffen Stellung einstweilen ausfüllte, war einer der eifrigsten Agitatoren der christlichsozialen Partei und ein überaus williges Werkzeug Luegers bei der rücksichtslosen Unterdrückung des Freisinns in dem Gemeindewesen. In demselben Sinne wirkte Strohbach auch im Reichsrate und im nieder-

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