Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- Wien
- Date
- 1905-05-01
- Page
- 301 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 301 Ritualmordfabrikation: „Die 14 jährige Katharina Tabak, die bei dem Bauer Jakob Bal in Mytarz bei Zmigrod (Galizien) bedienstet war, entfernte sich am Sonntag, den 19. März um 8 Uhr früh aus dem Hause mit dem Bemerken, daß sie zur Kirche nach Zmigrod gehen und Mittag zurück fein werde. Sie kam jedoch erst um 6 Uhr abends in großer Erregung, ohne Schuhe und Umhängetuch und mit dem Ruse: „Die Juden im Zmigrod haben mir Gewalt angetan!"' nach Haufe. Aus Befragen ihres Dienstherrn erzählte sie, daß sie auf dem Wege zur Kirche von einem Hausen Juden überfallen und in das Haus des 70jährigen Essigmachers Josef Zimet geschleppt worden sei. Dort sei sie mit zwei alten bärtigen Juden in einem Zimmer allein geblieben und man habe sie gezwungen, die Schuhe auszuziehen und sich niederzulegen. Sie habe Angst bekommen und es sei ihr unter einem Vorwände gelungen, das Freie zu gewinnen und nach Hause zu entfliehen. In einer späteren Aussage erklärte dann das Mädchen, daß sie von Mytarz nicht nach Zmigrod, sondern in ein entferntes Dorf zu ihrer Mutter gegangen und erst nachmittags um '^3 Uhr von den Juden in Zmigrod überfallen worden sei. Auf Grund dieser Aussagen verfügte der Bezirksrichter die Verhaftung des Josef Zimet und deffen Frau, des Senden Zimet und dessen Frau und der 20jährigen ledigen Tochter des Josef Zimet und ließ das Haus versiegeln. Da zur selben Zeit zehntägige Misstonspredigten der Franziskaner in der Zmigroder Kirche begannen, zu welchen das Landvolk zusammenströmte, drohten arge Exzesse gegen die Zmigroder Juden auszubrechen. Unser Präsidium hat sofort veranlaßt, daß das Ministerium des Innern auf telephonischem Wege die notwendigen Vorkehrungen zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung anordne, und gleichzeitig zur Feststellung des Tatbestandes unseren Sekretär nach Zmigrod entsendet. Nach den Erhebungen unseres Delegierten, welche durch die gerichtliche Untersuchung bestätigt wurden, konnte das Mädchen auch nachmittags nicht von den Zmigroder Juden überfallen worden sein, weil sie nach Aussage des christlichen Mühlenbefitzers Josef Szuba um 4 Uhr nachmittags in dem enisernten Dorfe Toki bei dem Mühlenbesitzer vorgesprochen und dort um einen Dienflposten ersucht hatte. Mit Zimet, Vater und Sohn konfrontiert, mußte das Mädchen auch zugestehen, daß sie die Beiden nicht kenne. Schuhe und Umhängetuch des Mädchens wurden vom Totengräber auf dem christlichen Friedhofe in Zmigrod aufgefunden. Wir haben sofort einen eingehenden Bericht an das Justizministerium erstattet und 24 Stunden später wurden die verhafteten Juden aus der Haft entlassen. Es ist nun interessant, was die antisemitischen