Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-05-01
- Page
- 290 (sequence 13)
- Language
- German
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290 Im deutsche» Reich. Zeitung .Germania" festgelegte große gutchristliche Satz: „Höher als der Tierschutz muß der Schutz des Menschen in seinen religiösen Ueberzeugungen und Empfindungen gewertet werden." Das von der englischen Regierung dem Unterhause vorgelegte Gesetz über oder richtiger gegen die Einwanderung ist in der zweiten Lesung mit 211 gegen 59 Stimmen angenommen und damit eine Tatsache von zeitgeschichtlicher Bedeutung geschaffen worden. Der Staatssekretär des Innern Akers-Douglas hatte vorher erklärt, die Bill richte sich nur gegen unerwünschte Einwanderer, und sie wahre die Interessen der politischen Flüchtlinge. Er weise den Gedanken zurück, daß die Rogierung sich bei Einbringung des Gesetzentwurfes von irgend welchen antisemitischen Gefühlen hätte leiten lassen. Das ändert aber an der Tatsache nichts, daß England aufhört der Freihafen Europas zu sein. Man liebt es, unser Jahrhundert das des Verkehrs, der Jnternationalität zu nennen. Aber dem widerspricht das Streben nach wirtschaftlicher Abschließung, das fast allgemein siegreich ist, und jetzt tritt, von Amerika ausgehend, die Erschwerung der persönlichen Freizügigkeit hinzu. Trotz der widerlichen Hetze einzelner russischer Blätter gewinnt cs doch den Anschein, als ob der Duldungserlaß des Zaren auch seinen jüdischen Untertanen zu statten kommen und ihre Lage erträglicher gestalten werde. Es ist zwar noch kein Erlaß zur Verbesierung ihrer Lage erschienen, aber eine gründliche Umarbeitung der traurigen Judengesetze scheint in Vorbereitung, so daß eine Verbesserung der Rechtslage und Erweiterung des Ansiedelungs-Rayons erhofft wird. Daß die Einwendungen der antisemitischen Ratgeber des Zaren Trepow, Bulygin, Kokowzow, Mikolski die geplanten Reformen ausgehalten haben, ist bekannt. Verhindern können sie sie nicht, denn in dem gesamten intelligenten Teil der russischen Bevölkerung ist die Ueberzeugung verbreitet, daß in den sechs Millionen Russen jüdischen Glaubens ein tüchtiges Kulturelement steckt, dessen Knechtung dem russischen Staate zum größten Unheil gereicht. Daß der gegen die Juden aufgehetzte Pöbel in Südrußland auch christliche Besitzende an Leben und Eigentum schädigt und nur mit Mühe von Raub und Mord abgehalten wird, macht aus die Regierungskreise tiefen Eindruck. „Der Not gehorchend, nicht dem eignen Trieb" wird der Zar Gedankenfreiheit, Gewissensfreiheit allen Bürgern seines großen Staates gewähren müssen und die „Not-