Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-05-01
- Page
- 287 (sequence 10)
- Language
- German
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Umschau. 287 man sie eher verzeihen, als den christlichen Geistlichen, welche keinen Grund haben, die Redakteure, die sie selbst oder ihre Amtsbrüder durch das Sakrament der Taufe in den Bund der Christenheit ausgenommen haben, nach wie vor als „Juden" zu bezeichnen und ihnen das Recht abzusprechen, ihren Ueberzeugungen Ausdruck zu geben, für die höchstens sie selbst, aber nicht ihre ehemaligen Glaubensgenossen verantwortlich zu machen find. Auch wir fordern „Wahrheit und Wahrhaftigkeit", aber wir finden sie selten dort, wo man auf antisemitischen Pfaden wandelt. Mit Recht schreibt die „Frankfurter Zeitung": „So oft bisher aus die Tatsache hingewiesen wurde, daß die verfassungsmäßig garantierte Gleichberechtigung in Preußen-Deutschland in unzähligen Fällen verletzt wird, u. a. durch die so gut wie generelle Ausschließung der Juden vom Ofsizierkorps, versuchte man, diesen gewichtigen Vorwurf mit der leeren Ausrede zu entkräften, daß in allen Spezialfällen die Nichtaufnahme nur auf mangelnde Qualifikation der Betreffenden zurückzuführen fei. Man könnte ohne Schwierigkeiten den Gegenbeweis führen, daß es so manche Offiziere gibt, die zweifellos nicht qualifizierter sind, als die zurückgewiesenen jüdischen Aspiranten; aber dieser Gegenbeweis ist gar nicht erforderlich, da für verschiedene Fälle die Konfession als Zurückweisungsgrund ausdrücklich festgestellt ist. Unsere Hinweise auf diesen ungesetzlichen Zustand glaubt nun ein Weiser in der „Kreuzzeitung" durch folgende Ausführungen „abtun" zu können: „Wenn die Juden eine besondere Passion und Qualifikation für den Militärdienst hätten, so wäre es allerdings töricht, ihnen die Pforte zu demselben nicht weit aufzusperren. Träfe das aber zu, so würde es sicher viele jüdische Feldwebel, Sergeanten und Unteroffiziere geben; dsrm daß den Juden die Unteroffizieclaufbahn verfchloffen wäre, wird selbst die „Frankfurter Zeitung" nicht behaupten wollen. Man will offenbar weniger ein an Strapazen gewohnter Feldsoldat, als ein „Salonlöwe" in Uniform sein und als „vornehmer Herr" betrachtet werden, was sonst manchem trotz reichen Maßes irdischer Güter recht schwer fällt." Die „Breslauer Zeitung" beklagt auch die Tatsache, daß so wenig jüdische Unteroffiziere in der Armee anzutreffen sind, aber sie gibt dafür folgende Erklärung: „Man macht sie eben nicht dazu. Ob der jüdische Soldat tüchtig oder untüchtig ist — weil er Jude ist, eignet er sich nicht zum Vorgesetzten", wie die stereotype Formel lautet. „Herr Kamrad, in Ihrem Regiment ist es doch auch so, daß Juden nischt werden?" ist eine beliebte vertrauliche Frage, wenn die