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Im deutschen Reich · 1905-05-01 · Heft 5 (Mai 1905) · p. 286

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 5 (Mai 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-05-01
Page
286 (sequence 9)
Language
German
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— so sagt die „Staatsbürger-Zeitung" „er sich frei entwickeln könne, ohne mit jüdischen Börsenmännern nnd reichgewordenen Pfeffersäcken paktieren zu müssen." Gegen diese Zudringlichkeit hat die gesamte deutsche Presse entschieden Stellung genommen: die „Staatsbürger-Zeitung" war naiv genug, die für sie nichts weniger als schmeichelhaften Aeußerungen in einem „Die Abrechnung" überschriebenen Artikel übersichtlich zusammenzuftellen und hat — wahrscheinlich wider Willen — ihren, sagen wir: „dummen Streich" damit teilweise wieder gesühnt. Etwas Neues hat sie damit auch gar nicht begangen; man braucht sich um an die „Waldersee. Versammlung" und an den „Scheiterhaufenbries" des ehemaligen Hofpredigers Stöcker zu erinnern. Damals haben die Antisemiten auch kein Glück gehabt; sie deuten deshalb heute von Zeit zu Zeit in knirschendem Grimme über des Kaisers Unbefangenheit im persönlichen Verkehr dahin, daß der Hof „verjude". Der Dreschgras drückte sich darüber am deutlichsten aus, weil bei ihm der Antisemitismus zu pathologisch interessanter Reinkultur entwickelt ist. Jetzt wollten sie nun das alte Spiel erneuern und den kommenden Mann in der Kaiserthronfolge parteipolitisch festlegen. In der Landeskirchlichen Versammlung, die am 2. Mai im Berliner Palasttheater abgehalten wurde, begnügten die Wortführer sich keineswegs mit der Erörterung religiöser Angelegenheiten, sondern verfielen wiederholt in die Tonart, die Stöcker als „Vater der antisemitischen Bewegung" zuerst angestimmt hat und die nicht nur in vielen Volksversammlungen, sondern auch in der antisemitischen Presse und in mancherlei Flugschriften noch immer nachklingt. Es kümmert uns wenig, wenn Herr Pastor Philipps seiner kirchlichen Aufsichtsbehörde „eine heilige Intoleranz" wünscht, aber wir finden einen uns verletzenden Widerspruch darin, wenn Herr Pastor Israel feierlich erklärt: „Wir fordern Wahrheit und Wahrhaftigkeit", und bald darauf auf die Frage des Herrn Pastors Bohn „Wer redet uns in unfern kirchlichen Angelegenheiten hinein?" durch laute Zurufe die Antwort erfolgt: „Juden, Juden!" und daß der Redner selbst die jüdische Rasse beschuldigte, „evangelische Kirchenwahlen zu machen". Daß Adolf Stöcker die sieben Ansprachen des Abends zuletzt als sieben Regenbogenfarben leuchtend zusammenfaßte, war begreiflich; denn er selbst hat die Wolken zusammengeschoben, in denen dieses Licht sich siebenfarbig brach, aber der Wahrheit entspricht die Behauptung von der Einmischung der „jüdischen Presse" in evangelische Angelegenheiten keineswegs. Dem Laien Bartels kann

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