Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-05-01
- Page
- 285 (sequence 8)
- Language
- German
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UlUjUjUU. Einem deutschen Thronerben kann es kaum Befriedigung gewähren, von solchen Politikern als der „kommende Mann" betrachtet oder doch hingestellt zu werden; es dürfte aber keine leichte Aufgabe fein, sich dieses Anhangs wieder zu entledigen. Der deutsche Kronprinz hat bekanntlich dem Feste eines antisemitischen Studentenvereins beigewohnt, in dem Stöcker, Liebermann von Sonnenberg und andere Kämpen des „arischen Befreiungskampfes" im Sinne Ahlwardts das große Wort zu führen pflegen. Offenbar um dem tiefempfundenen Danke dafür Ausdruck zu geben, ist die Staatsbürger-Ztg. auf den Gedanken verfallen, eine Kronprinzen - Spende anzuregen, und hat diese Anregung mit der geradezu lächerlichen Unterstellung begründet, der Sohn des deutschen Kaisers könne bei der angeblichen Geringfügigkeit seiner Apanage nach seiner Vermählung in die finanzielle Abhängigkeit von Geldmächten gelangen, gegen die seit Jahren die Matadore des Antisemitismus wie Stöcker, Ahlwardt, Liebermann v. Sonnenberg, Gras Pückler und andere den sogenannten „arischen Befreiungskampf" betreiben. Das Törichte der antisemitischen Anregung zu einer Hilfsaktion der deutschen Steuerzahler für einen in bester materieller Lage befindlichen Prinzen der hohenzollernschen Familie ist durch eine offizielle Auslassung in der „Münchener Allg. Zig." sofort dargelegt worden. Danach sind die sehr beträchtlichen Einkünfte von Oels während der-Kindheit des Kronprinzen nur zum allerkleinsten Teile in Anspruch genommen und im übrigen kapitalisiert worden. Der Gedanke, daß von Reichswegen für eine Apanage des Kronprinzen Sorge getragen werden solle, sei vollends abgeschmackt. Jedenfalls braucht der Kronprinz nicht — wovor die Antisemiten zu zittern vorgeben — bösen Manichäern in das Garn zu gehen; niemals braucht er dem „jüdischen Börsenkapital" tributpflichtig zu werden. Denn niemals wird es fein kaiserlicher Vater als Haupt der Familie an der nöftgen Apanage fehlen lassen. Es ist eine durch nichts zu rechtfertigende unerhörte Unterstellung gegen den deutschen Kaiser, wenn man im Publikum auch nur indirekt die Befürchtung wachzurufen sucht, als müsse eines schönen Tages der deutsche Kronprinz, durch die Not gedrängt, Querschreibereien vornehmen. Die von den „Deutsch-Sozialen Blättern" unter der Ueberfchrist „Eine Apanage des Kronprinzen von Preußen" unterstützte Anregung scheint demnach nichts weiter gewesen zu sein, als ein dreister Versuch, für den Händedruck, dessen Herr Liebermann von Sonnenberg bei dem Studentenkomrners gewürdigt wurde, dem künftigen Thronerben auch etwas in die Hände zu drücken, „damit"