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Im deutschen Reich · 1905-05-01 · Heft 5 (Mai 1905) · p. 280

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 5 (Mai 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-05-01
Page
280 (sequence 3)
Language
German
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Z80 Im deutschen Reich. Theodor Körners: „Deutsches Volk, Du herrlichstes von allen Deine Eichen stehm, Du bist gefallen!" Wenn es nun auch heute, wie Bartels weint, wieder Leute gibt, die geneigt sind: „Finis G-ermaniaea zu rufen, daun bringt sie höchstens dazu die gerade von ihm bejubelte und doch iw Grunde tieftraurige Wahrnehmung, daß sich die Jugend den neuen Nassentheorien zuneigt und mit dem Rassendünkel eine öde Streberei verbindet, mit der sich die letzten Reste der höchsten Ideale einer edleren Zeit verflüchtigen: Humanität und Toleranz. Der sogenannte „wissenschaftliche Antisemitismus," der wenig mehr als ein schönrednerischer Dilettantismus ist, hat auf diesem Gebiete wahrhaft verwüstend gewirkt. In einem „Moderne Rafserttheorien" überschriebenen Artikel, den die Zeitschrift „Nation" veröffentlichte, hat dies Friedrich Hertz überzeugend nachgewiesen. Er sagt: „Der nationale Kampf hat in Oesterreich die bekannten Formen erst angenommen, seitdem durch das Emwirken des Antisemitismus die Auffassung der Nationen als Rassen durchgedrungen ist. Das berühmte Wort des deutschnationalen Heros K. H. Wolf von den „Lies minderwertigen Nationen" zeigt uns die ganze Voraussetzung des österreichischen Nationalismus. Das Empfindungsleben dieses Nationalist mus ist eine Form der Massen Hysterie. Verstand und Verständigung bleiben verpönt, die Herrschaft der tollsten Phrase, das Ueberbieten an sinnloser Leidenschaft, die schroffe Verachtung des minderwertigen Gegners, die Zersplitterung in zahllose Fraktionen, die das dsllum omnium contra omnes verwirklichen — kurz die schrankenlose Anarchie sind die Konsequenzen des Rassenglaubens auf politischem Gebiet." Hertz begnügt sich aber nicht damit, die verhängnisvolle Wirkung des Raffendüukels im politischen Leben zu brandmarken, er beweist auch, daß die wissenschaftliche Kritik den Bankerott der Rassenpsychologie klar und deutlich erscheinen läßt. „Die psychologischen Disziplinen zeigen" meint er, ^wie das geistige Leben aller Rassen aus denselben Anfängen einen überraschend ähnlichen Entwicklungs- Vorgang nimmt, bis mächtige Milieusaktoren das Besondere zum Ueberwiegen bringen. Die Rassentheoretiker imponieren den Urteilslosen durch die Schnelligkeit ihrer Erklärungen. Diese beruhen aber fast stets auf der Dehnbarkeit der Begriffe, denen man je nach Belieben und Ziel verschiedene Stimmungsfarbe geben kann. Es wird davon abhängen, ob es sich um eine vom Autor begünstigte oder geringgeschätzte Rasse handelt, ob eine Tatsache mit „Freiheitssiun" qualifiziert wird oder mit „Hang zur Anarchie", mit „Treue" oder „Knechtsftmt", mit „Nationalstolz" oder „gallischer <5itd!eit", „englischer Per-

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