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Im deutschen Reich · 1905-05-01 · Heft 5 (Mai 1905) · p. 281

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 5 (Mai 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-05-01
Page
281 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Umschau. 381 ftbte" oder ^deutscher Realpolitik", „semitischer Intoleranz" oder „rücksichtsloser Behauptung germanischer Eigenart". — Kein größerer Irrtum kann jemals begangen werden, als die Verwechselung von politischem Rationalsinn und Rasseugesühl. Das eine widerspricht dem andern direkt. Alle Nationen sind aus den verschiedensten Rassen zusammengeschmolzen, und je besser durch Gleichberechtigung im Innern diese Verschmelzung gelungen ist, desto einheitlicher und mächtiger wirkt der Narionalwille nach außen. Die Nationalpolitik geht auf Verbreitung der eignen Art, sei es in der Form brutaler Aufzwmgung eigener Sprache und Sitte oder in der verfeinerten Form moralischer und ästhetischer Eroberung. Die RaffenpoliLik geht aber gerade auf das Gegenteil, auf Abgrenzung und Sonderung aus." Das sind keine neuen Wahrheiten: nirgends sind sie deutlicher als solche erkannt als in Deutschland und England, den Reichen, die ihre größten Errungenschaften aller Wahrscheinlichkeit nach dem Umstande verdanken, daß ihre Völkerschaften aus den verschiedensten Rassen zusammengeschmolzen und durch Rassenkreuzung nicht nur physisch, wie im Tierleben, sondern auch psychisch sich nach und nach veredelt haben. Zu den Rassenfanatikern, die dies nicht gelten lassen wollen und jede Vermischung mit Volksschichten verpönen, die ihrer Ansicht nach „minderwertig" sind, gehört auch der deutsch-soziale Graf Reventlow, der bekanntlich recht ungern an die Züt erinnert wird, in der er mit sozialdemokratischen Agitatoren in lebhaftem Verkehr gestanden hat. Seitdem hat er sich zum Antisemitismus bekehrt und in der Gefolgschaft des Abg. Liebermann von Sonnenburg sich Schritt um Schritt so sehr zu den Agrariern durchgerungen, daß bereits zahlreiche deutsch-soziale Antisemiten an seiner Parteizugehörigkeit zweifelhaft geworden find. In ihrem offiziellen Organ, dem Hamburger „Deutschen Blatt", war kürzlich anscheinend von einem seit Jahren in der Agitation hervorragend tätigen Parteimitgliede (vermutlich dem bei dem deutsch-nationalen Handlungszehilfenverbande rastlos agitierenden Ricbard Döring) die Parole ausgegeben worden, „man muffe die Reichstagskreise der konservativen Abgeordneten, die zum Berggesetz verkehrt gestimmt haben, in Angriff nehmen, um die Misse" tater zum Reichstag hinauszusegen." Das „Deutsche Blatt" erhielt nun von dem Abgeordneten Grafen Reventlow einen gehörigen Rüffel, weil es diesen Angriff gegen „Mitglieder einer großen und uns in vielen Beziehungen nahestehenden Partei," der noch dazu ganz ungehörige Ausdrücke wie „Hinterwäldler" und „Kohlenbarone" ent-

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