Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- Was lehren uns die Kaufmannsgerichtswahlen?
- Date
- 1905-05-01
- Page
- 264 (sequence 5)
- Language
- German
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264 Zm deutschen Reich. daran gearbeitet werden, der antisemitischen Handlungsgehilfen-Organisation Abbruch zu tun — und in diesem Punkte kann es am wirksamsten geschehen —: die indirekte und sogar direkte Unterstützung, die dem D. H.-V. von jüdischer Seite infolge eines bedauerlichen Jndifferentismus und eines beschämenden Mangels an Gemeinfinn zu teil wird, muß auf das Schärfste bekämpft werden. Hier nur einige Beispiele: Die Hirsch-Duuckersichen „Verein« Deutscher Kaufleute" sind nach der Behauptung der „Deutschnationalen" „stark verjudet", soll heißen: bestehen zu einem starken Prozentsatz aus Juden. Ob auch die Behauptung, die Juden biideten die Majorität, richtig ist, vermögen wir mangels des erforderlichen statistischen Materials nicht nachzuprüfen. Soviel aber kann als sicher angesehen werden, daß die Juden zum mindesten starke Minoritäten bilden, die durchsetzen können, daß der betreffende Verein nicht direkt ihre Jntereffen verletzt. Die „Vereine Deutscher Kaufleute" und ihr Organ, die „Kaufmännische Rundschau" leben in starker Fehde mit den „Deutsch-nationalen". Von diesen werden im Kampfe allgemein die Spitznamen „Verein Daitscher Kaufleute" und „der kleine Kohn", die in diesen Kreisen für witzig und geschmackvoll gehalten werden, angewandt. Das hat aber die „Vereine Deutscher Kaufleute" in verschiedenen Städten nicht abgehalten, mit den „ Deutsch-nationalen" zur Bekämpfung anderer Vereine Hand in Hand zu gehen und mit ihnen gemeinsame Listen aufzustellen; so in Stettin, in München, in Breslau, in Charlottenvurg, in Hagen und vielleicht noch in anderen Fällen, die nicht zu unserer Kenntnis gelangt sind. Die echtantisem'tische Quittrrng für dieses Verhalten blieb nicht aus: In der „Kaufmännischen Rundschau" waren verschiedentlich bewegliche Klagen über Wortbrüchigkeit zn lesen. Die „Deutsch-nationalen" Wähler hätten nur die Namen der eigenen Kandidaten auf der gemeinsamen Liste stehen lassen, die anderen gestrichen, und so die dem Kartell treu gebliebenen Hirsch- Duncker'schen übers Ohr gehauen. Eine noch betrübendere Erscheinung ist es, daß vielfach jüdische Firmen ausschließlich christliche Handlungsgehilfen anstellen. Es soll hier keineswegs nach antisemitischem Muster die Parole ausgegeben werden, daß jüdische Prinzipale nur jüdische Gehilfen anstellen sollen: denn nichts muß uns ferner sein als Intoleranz. Aber in Anbetracht der Notlage der Juden, die durch die Intoleranz von gegnerischer Seite geschaffen ist, in Anbetracht dessen, daß den Juden in so vielen Berufszweigen das Fortkommen erschwert und t:ilweise unmöglich gemacht wird, muß vom Gemeinfinn und vom Ehrgefühl