Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- Was lehren uns die Kaufmannsgerichtswahlen?
- Date
- 1905-05-01
- Page
- 262 (sequence 3)
- Language
- German
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o»h ueui]u?en «eia3. gehenden sozialen Forderungen zur Hebung der wirtschaftlichen Lage der Handlungsgehilfen, soziale Hilfe und Unterstützung, nur Lockmittel. Das ist den „Deutsch-nationalen^ von ihren Gegnern innerhalb der Handlungsgehilfen oft genug nachgewiesen worden.,Für Unterstützurigezwecke hat der Deutsch-nationale Handlungsgehilfenverband meist in dringlichen Fällen kein Geld übrig, während für politische Propaganda stets ein verschwenderischer Aufwand getrieben wird. Wichtige soziale Forderungen des Handlungsgchilfenstandes haben oft nicht die Unterstützung des Deutsch-nationalen Verbandes gefunden, ja dieser unterstützt sogar bei den politischen Wahlen stets die antisemitischen Kandidaten, die als Landbundler hämische Gegner des „auszuschaltender Zwischenhandels", als angebliche Mittelstandspolitiker und Vertreter der wirtschaftlichen Interessen des Kleinhandels die extremsten Gegner aller den Arbeitnehmern zngedachten sozialen Reformen sind. Während also alle programmatischen Haupttendenzen des Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes nichts als Mäntelchen sind, besteht seine eigentliche Bedeutung darin, daß er dem Geschäfts- und Radau- Antisemitismus zu neuem Leben und zu neuer Bedeutung zu verhelfen bestrebt und geeignet ist. Mitglieder anzulocken und sie zu fanatische» und skrupellosen Antisemiten zn erziehen, für die reinantisemitischen Parteigruppen eine wirklich leistungsfähige Demagogenschule zu bilden, darin ausschließlich besteht die Lebensaufgabe des Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes. Damit ergibt sich für den Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens eo ipso die Pflicht der Bekämpfung der antisemitischen Handlungsgehilfen-Bewegung. Sie ergab sich auch ganz besonders bei der Gelegenheit der Wahlen zu den Kausmannsgerichten, bei denen die antisemitische Handlungsgehilsen-Organisation unverhohlener Weise einen Haupttrumpf ausspielen, durch einen totalen Erfolg ihr Prestige und damit auch die Werbekraft ihres Programms beträchtlich erhöhen wollte. Andererseits aber war für den Central- Verein eine gewisse Vorsicht und Zurückhaltung geboten. Denn eine geeignete Organisation innerhalb des Handlungsgehilfenstandes zur Bekämpfung der antisemitischen Agitation, mit der er hätte vollständig zusammengehen können, existiert zur Zeit nicht. Es war daher bei allen Schritten vorsichtig zu erwägen, ob man dem gut organisierten Gegner nicht eher Nutzen in Gestalt willkommenen Agitationsstoffes, als Schaden zufügte. Dies umsomehr, als ja der Antisemitismus der Sozialrsmus der Dummen ist und es sich im vorliegenden Falle um eine antisemitische Arbeitnehmsrbewegung mit äußerlich dick aufgetragenem sozialen Anstrich handelte, mithin zu befürchten war, daß