Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- Was lehren uns die Kaufmannsgerichtswahlen?
- Date
- 1905-05-01
- Page
- 261 (sequence 2)
- Language
- German
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Was lehren uns die Kaufmannsgerichtswahlen? mi Gegenstände einer Kraftprobe und einer politischen Demonstration gemacht hat. Nachdem der antisemitische Verband bereits in verschiedenen andern großen Städten nicht unerhebliche Wahlersolge erhielt hat, gelang es ihm am 7. Mai in Berlin, nicht weniger als . 247 von 10474 im ganzen abgegebenen Stimmen auf seine Liste r.l vereinigen und dadurch von den hundert zu wählenden Beisitzern ] für sich zu erlangen. Weniger zu bedeuten hat es« daß die deutsch-nationale Liste jede der drei ihr am nächsten kommenden um ca. 1000 Stimmen übertras; denn abgesehen von dem sozialdemokratischen Zentralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen Deutschlands, der 2i09 Stimmen aufbrachte, unterschieden sich die anderen Gruppen, die eigene Listen ausftellten, nicht durch markante Lolitische Gegensätze, hätten also auch eventuell zusammengehen können. Daß aber die Antisemiten im aufgeklärten Berlin innerhalb der Handlungshilfenschaft bei einer wichtigen Wahl beinahe ein Drittel der Stimmen aufbringen konnten, ist immerhin eine Tatsache, die einige Beachtung verdient. Zwar entspricht dieser Erfolg keineswegs dem vorherigen prätentiösen Auftreten und der bei der Agitation zur Sckau getragenen Siegeszuversicht. Auch muß in Betracht gezogen werden, daß die Agitation der Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen, weil sie die radikalste, rückfichtloseste und lärmendste ist und die extremste Prinzipalgegnerschaft am lautesten betont, der Bewegung viele Mitläufer gewinnt, die mit ihren Zielen durchaus nichts zu tun haben, Nährend andererseits diejenigen Organisationen, die sich von turbulentem Radikalismus fernhalten und keine politischen Ziele verfolgen, durch Jndifferentrsmus innerhalb ihrer Anhängerschaft stark beeinträchtigt werden. Aber trotz dieser Momente, welche die Bedeutnng des antisemitischen Erfolges wesentlich herabdrücken, bleibt dieser selbst doch eine Tatsache, an der achtlos vorüberzugehen verfehlt wäre. Innerhalb des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens chat man die Wichtigkeit und Gefährlichkeit des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes rechtzeitig erkannt, und es ist an dieser Stelle des öfteren die Aufmerksamkeit weiterer jüdischer Kreise auf diesen Punkt gelenkt worden. Das Wesen, die Ziele und die Wirksamkeit des Verbandes sind darin zu erblicken, daß er ausschließlich eine wirksame Stütze und ein ergibiges Rekrutierungsgebiet der rein-antisemilischen politischen Gruppe darstellt. Dieser eigentliche Charakter des Verbandes gelangt in dem offiziellen Programm nicht als die Hauptsache ZUM Ausdruck; dafür sind aber die ausgesprochenen programmatischen Haupttendenzen, die Prinzipalfeindlichkeit, die weit-