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Im deutschen Reich · 1905-05-01 · Heft 5 (Mai 1905) · p. 255

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 5 (Mai 1905)
Article
Auerbach über Schiller
Date
1905-05-01
Page
255 (sequence 3)
Language
German
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Auerbach über Schiller. 254 Feiernden zu einer Beisteuer für die Schiüerstistung aufzufordern. Er faßte diese Schikerstiftung nicht als einen Unterstützungs verein für deutsche Schriftsteller auf, sondern als die Abtragung einer Dankesschuld der Deutschen an Schiller. Das sprach er ausdrücklich in der Rede aus, die er bei der Einweihung des Schiüerhäuschens in Körners Weinberg in Loschwitz am 50. Todestage Schillers hielt. Da heißt es: „Welch ein Wort ist es, das den Meister des Wortes, welch ein Gedanke, der den Schöpfer der edelsten Gedanken preisen könnte? Es ist in Einem das Dankeswort! Und dieses reicht hinan zu dem Höchsten, das sich dem Auge der Erkenntnis offenbart.- Der große Genosse Schillers ruft im Gedanken an den edeln Freund: Und hinter ihm im wesenlosen Scheine, Lag, was uns Alle bändigt, das Gemeine. Was aber ist das Gemeine? Man kann sich leicht damit abfinden, wenn man antwortet: die glatte Wirklichkeit; aber eben io dieser hochmütig angesehenen Wirklichkeit ruht der Geist, und er harrt nur seines Erlösers, der da spricht: Du bist da und erhebe Dich! — Was ist das Gemeine, über das Schiller sich selbst und uns mit ihm erhob? Das Gemeine ist der Egoismus, ist die gesetzlose Willkür, sei es die, die die Menschenhoheit nicht kennt, sei es die, die sie mißbraucht und unterjocht. Und weil sich Schiller darüber erhoben hatte, darum war er ein Dichter des Vaterlands und der Freiheit! Wer da nicht liebt das Vaterland und die Freiheit, der hat nicht ein Recht, sich zu nennen einen Daterlandsgenoffen und einen Freund Schillers. Und weil Schiller allzeit stand „auf der Menschheit Höhen", darum wollte er auch kein Vordrängen von Philosophie und Poesie, denn sie find eins wie Licht und Wärme, die im Sonnenstrahl gebundrn sind. Und weil Schiller das Gemeine hinter sich gelassen und sich zum Allgemeinen erhoben hatte im Denken und Gestalten, in Schönheit und Tatkraft, darum ist er der Dichter des Vaterlandes und der Freiheit. —-Er rang mit der Ecscheinunzswelt, und der Geist siegte, und er rang in Not und Sorge. Er ist an einer Brustentzündung gestorben; er hatte diese Brust gemacht zum Altar, auf dem die höchste Flamme des Geistes brannte, und sie ward davon verzehrt. Es hat etwas Rührendes, wenn er in dem Jahre, bevor er hier das Asyl der Freundschaft bei seinem Freunde Körner fand, wenn er im Jahre 1184 bei Herausgabe der „Rheinischen Thalia" sich vertrauensvoll der Hilfe der Nation übergibt. „Etwas Großes wandelt mich an" sagt er bei der Vorstellung, „keine andere

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