Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- Auerbach über Schiller
- Date
- 1905-05-01
- Page
- 256 (sequence 4)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. Fessel zu tragen als den Aussprach der Welt — an keinen anderen Thron mehr zu appellieren als an die menschliche Seele. Den Schriftsteller überhüpse die Nachwelt, der nicht mehr war, als seine Werke, und gerne gestehe ich, daß bei Herausgabe dieser „Thalia" weine vorzügliche Absicht war, zwischen dem Publikum und mir ein Band der Freundschaft zu knüpfen." Er war mehr als seine Werke, und doch waren seine Werke so erhaben groß. Das ist seine menschliche Vollendung. — Die Nation hat sein Vertrauen nicht erfüllt: er starb in Sorge und Net. An den großen Verklärten, dessen Geist wir hier mitten unter uns anrufen, an ihn läßt sich die Schuld nicht mehr abtragen, und ein Gefühl der Erlösung von der Schuld, ein Gefühl des Dankes ist es, wenn wir daran denken, um jenes Namens und seines Geistes willen denen zu helfen, die gleich ihm der Wahrheit, der Schönheit dienen.-Wir wollen nicht ablaffen, bis den ringenden Geistern eine sorgliche Stätte für die Tage der Not bereitet fei, so wohltuend, so erquick nd, wie sie einst hier Schiller bei seinem Freunde Körner fand; und das soll die Schilleistiftung sein! Und so rufen wir: Es lebe der Geist Schillers, der da ist der Geist der Liebe zum Vaterlande, zur Freiheit. Und von hier ausgehend, möge fortan sorglos die dichterisch bewegte Brust die Phantasiegestalten sich seinem Auge nahen lasten und sie festbannen. Die Schillerstistung sei die Hebe für den Dichter der Gegenwart und der Zukunft, sie netz' ihm die Augen mit himmlischem Thaue, Daß er den Slyx, den verhaßten, nicht schaue". Weit bedeutender, als diese hier im Auszug wiedergegebene Schillerrede Betthold Auerbachs war eine Ansprache, welche er vier Jahre später als einleitende Worte beim Festmahle des Schiller- Jubiläums 1859 in Dresden sprach. Diese Festrede ist in „Deutsche Abende" neue Folge (Stuttgatt J867) zum Abdruck gelangt. Er stellt darin fest, was Schiller als Dichter und Acsthetiker der Nachwelt ist: „Jedes neue Geschlecht gewinnt ihn neu, jeder findet in ihm das, was er sucht; denn die reine Kunst, die sich keinem beschränkten Zwecke unterordnet, hat das tausendfältige Leben in sich und gleicht der ewigen Natur." Auerbach bez-ichnet dann die Epochen in Schillers Dichtung: „die Gährung, die Klärung und die klassische Lauterkeit und auf allen diesen Stufen klingt der Dreiklang seines und des deutschen Lebens wieder: Sehnsucht bis zur kühnsten Empörung und tiefsten Elegie sich steigende Sehnsucht nach reinschönen Lebensformen, Trieb nach Anschluß an eine große lebendige Gemeinsamkeit und Vertiefung in lüe großen Aufgaben der Menschheit. Die Volkvkraft der in sich