Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1905-04-01
- Page
- 242 (sequence 9)
- Language
- German
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242 Zm deutschen Reich. sich mit der Erklärung Ulricis zu begnügen, daß er sie nicht beschimpft habe und ihrerseits selbst die Kosten zu tragen. Die Mitteilung der Schrodaer Herren habe vielmehr dahin gelautet, daß Ulrici die Kosten tragen wolle; außerdem sei im Laufe des Prozesses die Aussage des einzigen Belastungszeugen so abgeschwächt und seine Glaubwürdigkeit so zweifelhaft geworden, daß bei einer Ablehnung des Vergleichs die Freisprechung Ulricis fast mit Sicherheit zu erwarten war. Auf eine Anfrage des Herrn vr. Pinkus, ob und wie sich der Vorstand des Central-Vereins zu der Aeußcrung des Professor Dr. Geiger über einen großen Bestandteil der jüdischen Gesamtheit verhalte, der doch auch vor Angriffen zu schützen sei, wenn sie in diesem Falle nicht von außen stau men, entgegnete Herr Rechtsanwalt Di. Horwitz, daß der Vorstand selbstverständlich jeden Zionisten, der deutscher Staatsbürger sei, in Schutz zu nehmen habe, wenn ihm Unrecht geschehe. Der Vorredner habe aber selbst die Aeußerung des Professor Geiger lediglich als eine „unvorsichtige" bezeichnet, und solche Aeußerung, die bei einem im öffentlichen Leben stehenden Redner leicht Vorkommen könne, würde selbst einem Antisemiten gegenüber dem Central-Vereins-Vorstand keinen Anlaß geben, grobes Geschütz aufzufahren. Der Vorstand vermeide dies aber einem Juden gegenüber; wo ein solcher Anstoß errege, werde er von dem Vorstand in geeigneter Form darauf hingewiesen, nicht aber öffentlich, weil wir unfern zahlreichen Gegnern nicht selbst Material zuzuführen nötig haben. Der Vorsitzende schloß mit den Worten: „Unsere Zeit ist nicht dazu angetan, daß sich die Juden untereinander öffentlich bekämpfen. In dieser Sache haben wir schon aus diesem Grunde nichts getan und werden wir auch weiter nichts tun!" — Nachdem Herr Rechtsanwalt Di. Holländer als Referent im Schlußworte mehrere Anfragen des Herrn Dr. Wohlberg, die Deggendorser Prozession, die Anftellungsverhältniffe jüdischer Lehrer und die Schwierigkeiten bei der Zulassung jüdischer Privatdozenten betreffend, beaniwortet und für den seinem Vortrage gezollten reichen Beifall herzlichen Dank zum Ausdruck gebracht hatte, erfolgte der Schluß der Versammlung. Von der Laudarmen-Direktion in Dessau ging uns nachstehendes, vom 27. März d. Js. datierte Schreiben zu: Auf die geehrte Zuschrift vom 23. März 1905, betreffend den Passus „Evangelische Bewerber wollen sich melden" in einem Inserat vom 15. Januar 1905 in der Zeitschrift für ärztliche Fortbildung, in welcher es sich um Besetzung der Stelle eines Assistenz-Arztes in der Landesheil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke zu Bern-