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Im deutschen Reich · 1905-04-01 · Heft 4 (April 1905) · p. 241

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 4 (April 1905)
Article
[Ohne Titel]
Date
1905-04-01
Page
241 (sequence 8)
Language
German
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Vereinsnachrichlen» 241 Daß die „Judenfrage" in letzter Zeit wiederholt Anlaß zu Debatten im deutschen Reichstage und im preußischen Abgeordnetenhause gegeben habe, sei erfreulich, denn wenn das Unrecht totgeschwiegen werde, bilde es sich zum Gewohnheitsrecht heraus. Der Justizminister werde wohl nicht danach geizen, ein drittes Mal die Rolle zu spielen, die er bei dem zweimaligen Monologe des Abg. Justürat Cassel gespielt habe. Auf den Kriegsminister würde sowohl die von dem Abg. Eickboff bewirkte öffentliche Ehrenrettung Moses Biers als auch das bei dieser Sache mindestens klägliche Verhalten des Abg. Lrebermann von Sonnenberg nicht ohne Eindruck geblieben sein. Wohin der Antisemitismus im Heerwesen führe, zeige der von der „Deutschen Hochwacht" den Offizieren erteilte Rat, durch ungerechte Bestrafungen jüdischer Soldaten deren Beförderung unmöglich zu machen, ein Ansinnen an das Offizierkorps., das nur als „schmachvoll" bezeichnet werden könne. Die Boykottierungen in bürgerlichen Kreisen, die besonders die jüdischen Apotheker, Chemiker und Elektrotechniker schädigen, sollten dadurch bekämpft werden, daß man uns die größeren Betriebe, in denen befähigte Bewerber nur wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum zurückgewiesen werden, in zuverlässiger Weise zur Kenntnis bringt. Das Ueberhandn-hmen der Unduldsamkeit auch in kaufmännischen Kreisen, insbesondere im Bankfach, werde durch den antisemitischen „deutschnationalen Handlungsaehufenverband" gefördert, dem die jüdischen und vorurteilsfreien christlichen Kaufleute durch lebhafte Beteiligung an den Kaufmannsgelichrswahlen die Herbeiführung noch größeren Unheils unmöglich machen sollten. Daß die studentische Jugend auf dem Studententag in Eisenach dem „Konfessionalismus" entgegengetreten sei, sei erfreulich, aber mit Recht habe ihr Profeffor Osthof in der Zeitschrift „Freistatt" vorgehalten, daß sie selbst durch den Ausschluß der jüdischen Kommilitionen Absonderungen nötig gemacht habe. Die jüdischen studentischen Verbindungen, die stch nicht damit begnügen, Bier zu trinken und bei Mensuren etwas zu leisten, sondern sich wissenschaftlich fortbildery höheren Idealen nachftreben und sich auch jüdisches Wissen aneignen, feien mit Freuden zu begrüßen. Wenn unter den deutschen Juden Alt und Jung sich derartig, auf sich selbst besinmn und ihre Ehre mannhaft wahren, könne der Sieg der guten Sache nicht ausbleiben. — Lebhafter Beifall folgte diesen Worten. Dann wurde die Diskussion eröffnet. Im Laufe derselben erklärte der Vorsitzende auf eine Interpellation des Herrn Hirschberg, daß der Vorstand keineswegs auf eine Anfrage der in Schroda von dem Referendar Ulrici beleidigten beiden jüdischen Herren diesen den Rat erteilte,

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