Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1905-04-01
- Page
- 235 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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BereinSnachrichten. 235 bilden, in der Kunst überhaupt aber entweder für Schönheitsideale oder für Karikaturen die Vorbilder liefern müsfen. Ist es aber unser Schicksal, entweder als erhaben oder als lächerlich zu gelten, so müsfen wir das erstere erstreben durch Selbstzucht, Selbstachtung und edles Selbstbewußtsein. Wir machen uns lächerlich, wenn wir unser Judentum verleugnen, aber wir erringen Achtung, wenn wir die Fahne des Judentums Hochhalten, und unserer Stammesgenossen uns nicht schämen, sondern sie als treue Kameraden achten und schätzen. Dazu trägt der Central-Verein das Seinige bei; er bekämpft nicht nur äußere Feinde, sondern auch innere: die Indolenz, die Gleichgiltigkeit, den Mangel an Selbstachtung und an Gemeinsinn; er soll und will jenen berechtigten Stammesstolz in uns wach rufen und kräftigen, an den Schiller mit den Worten mahnt: D. lerne fühlen, welchen Stamms du bist! Wirf nicht für eitlen Glanz und Flitterschein Die echte Perle deines Wertes hin. Die angebornen Bande knüpfe fest. Das sei dein Stolz; des Adels rühme dich!" Lebhafter Beifall folgte diesen zündenden Schlußworten und dann drückte der Vorsitzende Herr Rechtsanwalt Poppelauer dem Vortragenden im Namen der Gruppe herzlichen Dank aus und betonte dabei, daß der Jude sicher keinen Grund habe, sich seiner Abstammung oder seiner Eigenarten zu schämen, die selbst den Fürsten Bismarck dazu veranlaßt hätten, den Juden die Eigenschaft „eines moussirenden Elements" im Volksleben zu erkennen. Im Namen des Vorstands sprach dann Herr vr. Jos. Lewy seine Freude über den zahlreichen Besuch der Versammlung aus und teilte Einiges aus der Vereinstätigkeit mit. Dabei berührte er den bei dem deutsch-russischen Handelsverträge für die jüdischen Handlungsreifenden erzielten Erfolg und betonte ferner die Notwendigkeit, bei den Wahlen zu den Kaufmannsgerichten, die für eine unparteiische Rechtsprechung nicht tauglichen antisemitischen Elemente des Deutschnationalen Handlungsgehilsen-Verbandes den Beisitzer-Stellungen möglichst fernzuhalten. Nachdem noch der Vorsitzende der Vereinsleitung dankbare Anerkennung gezollt hatte, wurde die Versammlung geschloffen. Die Versammlung der Central-Vereins-Gruppe SW., welche am 21. März 1905 in dem Saale des „Alexandriner", Berlin, Alexanderstr. 37, abgehalten wurde, war gut besucht. Der Vorsitzende der Gruppe, Herr Rechtsanwalt Dr. M. Guttsmann, eröffnete die Versammlung mit einer Ansprache, in der er einen Rückblick aus die wichtigsten Ereignisse der letzten Monate bot. So-