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Im deutschen Reich · 1905-04-01 · Heft 4 (April 1905) · p. 222

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 4 (April 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-04-01
Page
222 (sequence 10)
Language
German
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sondern auch der erforderliche Mut, mit den Vorurteilen zu brechen, die nicht in den nur durch berufsmäßige Hetzer aufgewiegelten Volks - Massen, sondern in den bevorzugten Klaffen tief wurzeln. Der Minister des Innern Bulygin hat eine Abordnung angesehener Juden, die ihn ersuchte, bei den bevorstehenden Reform - Konferenzen auch ihre Glaubensgenoffen zu berücksichtigen, ohne irgend welche Zusage entlassen. Aber der größte Teil der russischen Juden zeigt trotzdem eine mit edler Festigkeit gepaarte Besonnenheit. Mehr als 6000 Juden haben eine Petition an den Reichsrat unterschrieben, deren Veröffentlichung eine wirkungsvolle „Flucht in die Oesfentlichkeit" bedeutet. Es heißt in diesem denkwürdigen Dokument: „Wir tun kund, daß wir alle Versuche, die jüdische Bevölkerung durch irgend welche teilweise Zugeständnisse zu befriedigen und zu beruhigen, für unfruchtbar halten. Wir erwarten Gleichberechtigung vor dem Gesetz. Aber wir erwarten diese Gleichberechtigung nicht deshalb, weil die Juden danach den andern Teilen der Bevölkerung Nutzen bringen könnten oder weil die Bewilligung der Gleichberechtigung zur Hebung des Wohlstandes irgend jemandes beitragen würde; wir wünschen sie auch nicht als Entgelt etwa dafür, daß unsere Brüder auf den Gefilden der Mandschurei ihr Blut vergießen, wie sie es auch in früheren Kriegen vergossen haben; unsere Wünsche fußen auch nicht auf der historischen Tatsache, daß wir seit Jahrhunderten in dem Gebiete leben, das jetzt zum Bestände des Russischen Reichs gehört. Wir fordern Gleichheit vor dem Gesetz als Menschen, in denen ungeachtet aller Nebenumstände das Gefühl des Stolzes lebendig ist, als bewußte Bürger des heutigen Staates. Wir verlangen die Vernichtung aller uns bedrückenden Beschränkungen im Namen der einfachen Menschenwürde, im Namen der Grundlage jeder kulturellen Gesetzmäßigkeit. Wir lasten ferner wiffen, daß wir auch eine allmähliche Aufhebung der Beschränkung als nicht genügend erachten. Dasjenige, was wir verlangen, stellt keine Summe von Vergünstigungen dar und kann daher nicht in Portionen verteilt werden. Nicht von Erleichterung unseres Daseins ist die Rede, es handelt sich um Gleichberechtigung, um ungeschmälerte Gleichberechtigung. Wir erwarten die Gleichstellung unserer Rechte mit denen des russischen Volkes; dann werden wir gemeinsam mit allen Völkerschaften in Rußland unser Geschick bestimmen, in freier Entwicklung unserer Kräfte zum Heile des Vaterlandes und der Menschheit. Wir betrachten die Gleichstellung nicht alseinen Beweis der Gnade oder Großherzigkeit und selbst nicht als eine politische

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