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Im deutschen Reich · 1905-04-01 · Heft 4 (April 1905) · p. 219

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 4 (April 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-04-01
Page
219 (sequence 7)
Language
German
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Umschau« 2! CJ nur dadurch verhütet worden sein, daß einige Großgrundbesitzer erhebliche- Beträge zur Fortführung der Geschäfte zur Verfügung stellten. Nach der Mitteilung des „Pyritzer Kreisblattes" gab kürzlich in der Generalversammlung Regierungsrat Schlange die Erklärung ab, daß er aus dem Vorstande ausscheide, weil er ein gedeihliches Zusammenarbeiten mit Krösell für ausgeschlossen halte. Dieser appellierte dann an eine zu diesem Zwecke einberufene außerordentliche Generalversammlung dagegen, daß man ihn inzwischen von dem AussichtsraL und dem Vorstand aus dem Verein ausgeschlossen hatte. Dieser Ausschluß ward mit 181 gegen 140 Stimmen wieder aufgehoben, womit zunächst die politische Existenz Krösells aber kaum das Fortbestehen des Vereins gesichert worden ist. Ohne diese Rettung hätte Krösell wohl auf sein Reichstagsmandat verzichten müssen, da selbst das Stöcker-Blatt „Volk" bereits erklärt hatte: „Wir glauben nicht, daß Krösell im Interesse der Sache handelt, wenn er im öffentlichen Leben verbleibt." Wenn das der ehemalige Hosprediger von einem andern „politischen Pastor" sagt, dann müssen die Antisemiten reichlich Grund haben, diesen Gesinnungsgenossen abzuschütteln, der ihre Sache durch seine merkwürdigen „Ritualmordstudten" einst so eifrig zu fördern suchte und jedenfalls in der Gegend von Pyritz damit eine unheilvolle Saat ausgestreut hat. Gegen diesen uralten Pöbelwahn ist leider mit Vernunstgründen kaum etwas auszurichten — denn mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens. Wie alljährlich, wenn das Osterfest naht, das Geschwätz von Blutmorden von den Gefchäftsantisemiten ausgebeui et wird, so ist auch in diesem Frühjahr das zeitweilige Verschwinden einzelner Kinder in frevelhafter Weise benutzt worden, einen halbvergeffenen abscheulichen Aberglauben wieder aufzufrischen, harmlose Leute zu beunruhigen, gegen die Juden aufzuwiegeln und mit Mißtrauen gegen die behördlichen Organe zu erfüllen, die den Antisemiten durchaus nicht den Gefallen tun wollen, wider besseres Wissen unaufgeklärte Todesfälle von Kindern zu „Ritualmorden" zu stempeln. Die „Deutsche Hochwacht" hat in einer ganzen Reihe solcher verblümten Anschuldigungen das Menschenmöglichste geleistet; den Männern der „Staatsbürger-Zeitung" ist ähnliches s.Zt. sehr übel bekommen, aber ihnen erweckte es anscheinend nur ein unangenehmes Gefühl, daß das Organ des Herrn Hans von Mosch ihnen dabei ins Gehege kam. Geschäft ist eben Geschäft! So brachte denn die „Staatsbürger-Zeitung" am 11. März eine „Erinnerungen an kanten und Könitz", uberschriebene Notiz, in der die dem Oberlandesgerichtspräsidenten Dr. Hamm in Cöln auf seinen

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