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Im deutschen Reich · 1905-04-01 · Heft 4 (April 1905) · p. 216

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 4 (April 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-04-01
Page
216 (sequence 4)
Language
German
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216 Im deutschen Reich. zum Jahre 1848 bevorrechtigten Stände anhermfallen soll. In dem weitverzweigten System dieser Rückschrittler bildet die Aufbauschung der sogenannten „Judenfrage" auch nur eines der brauchbaren Hilfsmittel. Der Eiserne Kanzler gehörte, als er in däs politische Leben eintrat, vollständig der reaktionären Partei an, aber sein stark entwickelter monarchischer Sinn und sein großes Verständnis für den Staalsgedanken entfremdete ihn nach und nach den Männern der Kreuzzeitung. Auch seinen Standesgenoffen gegenüber erfüllte ihn jenes stolze Pflichtgesühl eines echten Dieners der Krone, dem ein eiserner spanischer Held mit den Worten Ausdruck gab: „Wie Gottes Cherub vor dem Paradies steht Herzog Alba vor dem Thron!" Und heute — heute, wo 90 Jahre seit dem Tage verflossen sind, an dem Bismarck das Licht der Welt erblickte, verstecken sich maßgebende Staatsmänner wieder hinter den Thron! Jedenfalls war Bismarck stets weit von dem Wesen solcher Ratgeber der Krone entfernt, die bei der Besetzung richterlicher Aemter dem Monarchen nur Vorschläge machen, welche den Wünschen einzelner Kreise genehm sind, aber dem Vorwurf verfassungswidrigen Verfahrens gegenüber sich damit verteidigen, daß die Ernennung der Richter ein Recht des Monarchen sei, der für feine Entschlüsse keine Rechenschaft abzulegen notig habe. Auch unter Bismarck hat es „Imponderabilien" gegeben; sie aber waren sein Werk, oder wurden von ihm so bemeistert, daß sie die Macht der Staatsleitung vergrößerten. Wie weit er dabei immer im Recht war, wie weit auch er schlimme Geister wach rief, die er nicht wieder los werden konnte, mag uncrörtert bleiben; das Fürchten hat er wenigstens nie gelernt und die Beamtendisziplin iurmer als etwas Unerschütterliches betrachtet. In den Anschauungen der maßgebenden Kreise muß seitdem eine große Veränderung eingetreten sein, wenn der preußische Kriegsminister bei den jüngsten Reichstazsverhandlungen offen bekennen mußte, daß er das Offizierkorps nicht zu einem toleranteren Verhalten veranlassen könne, wenn es nun einmal keinen Juden unter sich haben wolle. Fürst Bismarck hat sich im Jahre 1856, also zu einer Zeit, wo er noch als ein einfacher Landjunker galt, dem General von Gerlach gegenüber bei einem Hinweis auf die zahlreichen jüdischen Offiziere im österreichischen Heere geäußert, „es sei bezeichnend, daß man darin seinen Ruhm finde". Die Kreuzzeitungs-Anhänger, die jetzt diesen Ausspruch wieder ausgraben, unterlassen weislich darauf hinzuweisen, daß der Minister Bismarck sich später von den Gerlachs gründlich losgesagt und die jüdische Intelligenz geschätzt und vielfach benutzt hat. Daß der Kriegsminister von Einem jüngst öffentlich versichert hat, allen Beschwerden über Zurücksetzung von Einjahrig-Freiwilligen aus konfes-

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