Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- Wie Ritualmord-Märchen gedichtet werden
- Date
- 1905-04-01
- Page
- 211 (sequence 5)
- Language
- German
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Wie Ritualmord-Märchen gedichtet werden. 2t 1 bringt es die christliche Redaktion der „Deutschen Hcchwacht" also über das Herz, zu behaupten, daß auch einzelne christliche Sekten, z. B. die der russischen „Stundisten", im religiösen Fanatismus vor Menschenopfern nicht zurückfcheuen. Da aber sogar christliche Kreise des östlichen Europas von Religionswegen noch Menschenopfer brächten, sei es doch noch weit eher denkbar, daß sich unter dem Judentum des Ostens noch Leute fänden, die aus Aberglauben Zum Schächtmeffer greisen. Es heißt wörtlich in diesem Artikel: Deutsche Hochwacht vom IR März 1005. „Wie kommt man dazu, einfach zu erklären, unter den Juden könne es. solchen Aberglauben nicht mehr geben — unter den Juden, die doch immer noch unter dem alttestamentarischen Gesetze stehen? Warum ist denn das so undenkbar, daß auch unter den Juden sich solche Fanatiker finden, die es nach Blut gelüstet, um I.zu versöhnen. Gewiß, essen dürfen sie das Blut nicht — wenigstens lautet so die Vorschrift —; aber daß sie tierisches Blut verwenden müssen, das leugnen sie ja selbst nicht; und überdies ist, wie jene christlichen Sekten zeigen, das „Gesetz" schon mehrfach „mißverstanden" worden. Und wenn nun auch in Deutschland alle Augenblicke Kinder verschwinden, die nachher vorschriftsmäßig geschachtet, völlig ausgeblutet, ja sogar mit dem charakteristischen Zwerchfell-Schnitte aufgesunden werden; und wenn dann trotz allen jüdischen Bemühungen niemals christliche Täter ermittelt werden; ja wenn sl>gar, sobald etwas herauskommt, immer nur jüdische Mörder in Frage kommen. -wer in aller Welt hat das Recht, dann zu erklären, es sei verrückt oder gemein, an Blutmorde jüdischer Fanatiker zu denken? Die Herrschaften, die so etwas sagen, sollten doch bedenken, daß eine so unlogische und übereifrige Verteidigung überaus verdächtig ist; ja, daß vielleicht dieser verdächtige Verteidigungseiser die erste Veranlassung ist, daß in weiten Kreisen das gesamte Judentum für solche Blutmorde verantwortlich gemacht wird. Das einzige, was die Juden tun können, um diesen schweren Verdacht von ihrem Volke zu wälzen, wäre: daß sie mit allen ihren Kräften und gewaltigen Mitteln die Entlarvung solcher Mordbuben herbeisühren, gerade wenn Juden in Frage kommen. Das wäre ein Zeichen — aber auch das einzige — dafür, daß das Judentum als solches nichts mit dem Ritualmorde gemein hat. Solange die Staaten völlig geklärte Ritualmordprozcsse 5 1a Tisza-Ezlar Niederschlagen müssen, solange Hülsener, der Mörder von Polna, noch nicht baumelt und der „krumme" Jude noch nicht ans Messer geliefert ist; solange das Blut von Xanten, - Braunschweig, Ulm,