Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- Bilder aus dem Reichstag
- Date
- 1905-04-01
- Page
- 199 (sequence 10)
- Language
- German
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Bilder aus dem Reichstag. 199 bkv in Berlin vor dem Notars Justizrat v. Simson, dem Sohne des früheren Neichstagspräsidenten, eine Verhandlung stattgefunden, die unter Nr. 236 des Notariatsregisters für 1892 eingetragen worden ist. Hier hat der den älteren Herren noch bekannte Dr. Moritz Gumbinner, Schriftsteller und Dr. pML, wohnhaft Potsdarnerstr. 5, zu Protokoll gegeben: „Ich öefand mich als Berichterstatter in der Generalversammlung des genannten Vereins im Saal des Englischen Hauses und war Zeuge der Unterredung, welche Seine Kanerl. Hoheit des nachmaligen Kaisers Friedrich Majestät mit dem Geh. Rat Magnus hatte. Ich habe den ganzen Inhalt der Unterredung nicht vernehmen können, aber ich erinnere mich deutlich, daß das Thema die antisemitische Agitation war, and der Kronprinz die Worte gebrauchte, er habe bei seinem Aufenthalt im Auslande von den hiesigen Vorgängen Kenntnis genommen and siL der Scham nicht erwehren können. Nach dem Schluß der Versammlung verlieh ich das Haus mit dem Geh. Rat Magnus und dem Geh. Oberregierungsrat... (der Name ist auf der Tribüne nicht zu verstehen). Die Herren erzählten mir den vollständigen Inhalt des Gesprächs und verpflichteten mich, über diese ganzen Vorgänge nichts in die Oesfentlichkeit zu bringen. Selbstverständlich bin ich dieser Ver pflichtung strengstens nachgekommen, konnte aber gegenüber der Veröffentlichung in der National-Zeitung nur zugeben, daß diese meiner Wahrnehmung entsprach." Ein drittes Zeugnis bildet ein Schreiben unseres früheren hochverehrten Mitgliedes, Georg v. Bunsens, uom 20. Juni 1888 an Magnus, wonach die Kronprinzessin die Ansicht ausgesprochen habe, daß Kaiser Friedrich den Antisemitismus mit derselben Schärfe verurteile, wie sie ihn selbst mißbillige. Endlich hat Herr v. Bunsen an die Nachkommen des Geh. Rats Magnus einen Brief gerichtet: „Noch unter dem Eindruck dieser Aeußerung Sr. Kaiser!. Hoheit des Kronprinzen, daß er die Judenhetze als eine Schmach für die Nation empfinde, hat mir Ihr Vater davon berichtet, das weiß ich bestimmt, ebenso wie niemand die Wahrhaftigkeit des Herrn Magnus in Zweifel gezogen hat. Aus meinem Briefe vom 20. Juni 1888, der sich noch im Nachlaß ihres seligen Vaters befindet, Bissen Sie, daß die Kronprinzessin mit Abscheu von der Judenhetze sprach. Die hohe Frau erklärte, daß dem Kronprinzen, wie ihr serbst daran gelegen sei, über ihre Gesinnung über diese Agitation keinen Zweifel aufkommen zu lassen." Danach kann ich das Urteil über die Sache ruhig der Geschichte überlassen". Daß diese Ausführungen auf den Abgeordneten Liebermanu v. Sonnenberg keinen Eindruck machten, ist selbstverständbch; Männer dieses Schlages wollen nicht überzeugt sein, wenn die Wahrheit ihnen