Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- Bilder aus dem Reichstag
- Date
- 1905-04-01
- Page
- 193 (sequence 4)
- Language
- German
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Bilder aus dem Reichstag. 198 aat er denn nicht im vorigen Jahre das schon gesagt und sich seiner f Nischen Kameraden angenommen? Er hat die Bezirkskommandeure in dem Glauben bestärkt, daß Juden nicht zu Reserveoffizieren vorgeschlagen werden. Dies widerspricht der Gerechtigkeit, die nicht nur das Fundament des Vaterlandes, sondern auch des Heeres bildet. Wie viele Herren auf der Rechten und vielleicht auch am Miniftertisch mögen von jüdischen Eltern, von jüdischen Müitern abstämmen! Die den Antisemiten zujubeln, spotten also ihrer selbst und wissen nicht wie. Glaubt etwa das Zentrum, daß ihm nicht auch dieselbe Ungerechtigkeit widerfahren kann? Das ganze Verfahren widerspricht dem Art. 12 der preußischen Verfassung, und ich kann den Kriegsminister nur ersuchen, in Zukunft Gerechtigkeit walten zu lassen." Die Antwort des Kriegsministers lautete: „Dieser Mahnung hätte cs überhaupt nicht bedurft. Wenn der Vorredner eine Aeußerung des Abg. Liebermann zitiert hat, daß Hauptleute jüdische Freiwillige nicht gern aanehmen, um sich nicht die Front damit zu verderben, so hat dieser Satz doch keinen Hintergrund, denn der betreffende Hauptmann bat gar nicht das Recht, jüdische Einjährig-Freiwillige zurückzuweisen. Bei den Regimentern, wo jüdische Freiwillige dienen wollen, da bienen sie, sie haben das Recht, sich den Truppenteil auszuwählen. Der Abg. Eickhoff hat gestern gesagt, ich hätte in allen den Fällen, bie mir zugegangen wären, sachlich entschieden. Das ist richtig. Ich Me in dem Falle, wo ein Haupimaun gesagt hatte, ich nehme Sie nicht, weil Sie ein Jude sind, sofort scstgestellt, das ist durchaus falsch, und hier muß Remedur eintreten. Ich habe einem jüdischen Herrn, der bei mir war und mich fragte, was er machen solle, um sc inen Sohn zum Reserveoffizier befördert zu sehen, einfach gesagt: tellen Sie ihn zur Wahl bei dem betreffenden Landwchroffizierkorps. arauf sagte er: Sie wissen ja, wie es bei den Wahlen ist. Ich mtgegnete: Sie wohnen doch in einer Stadt, wo das Judentum tatsächlich floriert und eine Rolle spielt, warum sollte ihr Sohn dort nicht gewählt werden? Er erwiderte: Nein, sie wählen ihn nicht. Daraus sagte ich: Schicken Sie Ihren Sohn an das und das Bezirkskommando, dort ist ein sehr großes Reserve- und Landwehroffizierkcrps, und das besteht durchaus nicht immer aus Beamten oder aus Angehörigen der höheren Stände, aus Gutsbesitzern, sondern tatsächlich aus Kaufleuten, Lehrern, Elementen der liberalen politischen Richtung. Er erwiderte daraus: Das ist ein sehr guter Rat, den werde iebefolgen. Der junge Mann wurde nun dorthin versetzt. Der Later kam später zu mir und sagte, sein Sohn sei abgelehnt worden «fit der Begründung, daß er Jude sei. Ich habe sofort an den kom-