Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- Bilder aus dem Reichstag
- Date
- 1905-04-01
- Page
- 192 (sequence 3)
- Language
- German
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192 Im deutschen Reich. dienende jüdische Soldaten angegriffen worden wären, so würde ich gebeten haben, mir bestimmte Fälle zu nennen, dann würde ich versucht haben, sie aufzukiären oder sie zurückgewiesen haben. Aber Sie können nicht von mir verlangen, daß ich auf irgend welche historischen Rückblicke antworte und sie zurückweise, weil mir das Material zu solchen Zurückweisungen vollkommen fehlt." (Bravo! rechts.) Demgegenüber betonte der sozialdemokratische Abg. Ledebour, daß sich der Abg. Eickhoff mit Recht darüber beschwert habe, daß der Kriegsminister über Angriffe gegen die Juden im allgemeinen geschwiegen hat. Daß in der Armee, er wolle nicht sagen beim Kriegsminister, ein Vorurteil gegen die Juden herrsche, beweise der Umstand, daß Juden nicht zu Offizieren befördert würden. Diesen Ausführungen stimmte im Verlause der Verhandlungen der Abg. Storz von der deutschen Volkspartei zu, indem er hervorhob: „Auch beim Reserveoffizierersatz scheint weniger die Qualifikation als eine gewisse Rücksicht auf Familieninteresfen und konfessionelle Exklusivität ausschlaggebend Mitzuwirken. Die jüdische Bevölkerung empfindet diese Zurücksetzung sehr schmerzlich- Auch ohne Philosemit zu sein, muß man das gegenwärtige System als ungerecht und auf die Dauer unbaltbar bezeichnen; eine gewisse Auslese muß sein, aber stets muß der Gesichtspunkt der Gleichberechtigung festgehalten werden." Daß diese Auffaffung auf den Widerspruch der Herren Lieber, mann von Sonnenberg und Böckler stieß, ist selbstverständlich, ebenso selbstverständlich, daß der erste der beiden Antisemitenführer den Standpunkt vertrat, die Juden würden bei uns in der Armee ganz richtig behandelt, und der zweite sich gar zu dem Satz verstieg, die Juden gehörten überhaupt nicht in die Armee. Der Abg. Eickhoff erwiderte daraus: „Die Herren Liebermaun v. Sonnenberg und Böckler kann ich ruhig ihrem Schicksal überlassen, dagegen muß ich mich mit dem Kriegsminister beschäftigen, der gestern sagte, auf historische Rückblicke könne er doch nichts erwidern. Nun hat aber doch der Abg. v. Liebermann im vorigen Jahre gesagt, die Hauptleute usw. wollten sich die Front nicht durch jüdische Soldaten verderben laffen. Wenn das keine Beleidigung aller jüdischen Soldaten war, dann weiß ich überhaupt nicht, was eine Beleidigung ist. Der Kriegsminister war verpflichtet, einer solchen Beleidigung mit Entschiedenheit entgegenzutreten .und unsere jüdischen Mitbürger davor zu schützen. Er sagte doch selbst gestern, er habe in seinem Regiment tüchtige jüdische Soldaten gehabt. Warum