Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- Bilder aus dem Reichstag
- Date
- 1905-04-01
- Page
- 191 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316727-2316732-2334856--13652-2334909- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Silber aus dem Reichstag. 191 vektiven hat er nicht mit einem Wort Zurückgewiesen. (Redner zitiert einen Brief eines jüdischen Stabsarztes, Br. Lachmann, der gegen das Schweigen des Kriegsministers protestiert und um seinen Abschied gebeten hat; der Abschied sei ihm ohne weiteres und ohne persönliche Schädigung erteilt worden.) Gerechtigkeit ist doch die Stütze des Vaterlandes! (Zuruf bei den Antisemiten: Haben sie ja gar nicht.) Der Abg. Böcklcr sagte in einer Versammlung in der Hasenheide, der christlich-deutsche Professor Eickhoff habe zugeben müssen, daß die Juden Westpreußens sich in den Befreiungskriegen sämtlich losgekauft haben. Das habe ich nicht gesagt, sondern nur, daß ein großer Teil es getan habe. Ich habe die Gründe seinerzeit genau angegeben. Ich soll dann gesagt haben, auch viele Deutsche hätten sich „gedrückt". So geschmackvoll habe ich mich nicht ausgedrückt; ich habe nachgewiesen, daß zahlreiche nichtjüdische Kreise des Volkes sich der allgemeinen Wehrpflicht widersetzt haben." (Redner belegt dies durch historische Dokumente.) Der Kriegsminister v. Einem beschränkte sich zunächst auf die nachstehende Erwiderung, in der er wenigstens dem Vorurteil gegen die Brauchbarkeit und Tüchtigkeit jüdischer Soldaten entgegentrat, wenn er auch auf den Kern der Sache einzugehen vorsichtig vermied. „Der Vorredner hat mir soeben einen Vorwurf gemacht, ich hätte Angriffe auf deutsche Soldaten, die in diesem Hause gegen sie gerichtet wären, nicht Zurückgewiesen. Ich erinnere mich nicht, daß der Abg. Liebermann v. Sonnenberg oder der Abg. Böckler irgend eine Behauptung ausgestellt hätten, dahingehend, daß jüdische Soldaten sich in unserem letzten Feldzuge schlecht geschlagen, oder sie als feige bezeichnet hätten. Ich erinnere mich auch nicht, daß eine Aeußerung dahin gefallen wäre, daß die jüdischen Soldaten, die jetzt im Heere dienen, schlecht dienten oder in irgend einer Weise ihre Dienstpflicht verletzten. Ich habe nur gehört, daß der Abg. Böckler im vergangenen Jahre, wie der Vorredner sagte, aus seinen Geschichtsstudien heraus vorgesührt hat, wie „seine Juden", wie er sie damals nannte, sich im Jahre 1813 benommen hätten. Das waren historische Rückblicke (Lachen links), und ich war wohl nicht verpflichtet, dagegen vorzngehen. Ich glaube, daß der Vorredner mir nicht zumuten kann, daß ich alles weiß, was er eben aus Broschüren oder aus dem antisemitischen Wochenblatt vom Jahre 1833 oder 1857 hier vorgelesen hat (Heiterkeit). Ich habe in meinem Regiment jüdische Soldaten gehabt, und ich kann erklären, sie haben gut gedient. (Lebhafte Zurufe links: Vorher!) Ich kann nicht vorher erklären, wenn ich nicht gefragt bin. Wenn ich das Bewußsein gehabt hätte, daß jetzt im Heere