Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1905-03-01
- Page
- 177 (sequence 4)
- Language
- German
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Absage von der Tribüne des Parlaments an die Antisemiten tatsächlich unseren Dank verdienten; ausdrücklich habe er hinzugefügt, daß es den Juden höchst gleichgiltig sei und sein könne, ob Herr Lenzmann sie Haffe oder liebe, mit ihnen Skat spielen und Frühschoppen trinken wolle oder nicht! Man habe kein Recht, ihn nur seiner vorgedachten Aeußerungen wegen eine schwankende Gestalt zu nennen, und wenn jüdische Blätter in die Fußtapfen der „Staatsbürger-Ztg." träten, so hieße das nichts anderes, als auf die Leimruten der Antisemiten zu kriechen, deren Taktik darauf ausgehe, Zwietracht in unserem Lager zu säen und uns mit unseren politischen Freunden zu verhetzen. Von einem Dankes- oder Vertrauensvotum sei gar nicht die Rede gewesen. Auf Grund dieses in der vorigen Versammlung erstatteten Berichts hat dann dieselbe jüdische Zeitung wieder im Verein mit der Staatsbürger - Zeitung uns nachgesagt, daß wir uns „durch unser Dankes- und Vertrauensvotum" erniedrigten, wenn wir den Heuchler lobten; man hat uns nachgesagt, daß wir Ghettopolitik treiben, kammerknechlische Gesinnung hätten und des richtigen jüdischen Selbstbewußtseins entbehrten. „Wir wollen", fuhr der Redner fort, „den Antisemiten nicht die Freude machen, uns selbst zu bekämpfen; aber das möchten wir doch vor aller Welt konstatieren, daß es niemanden auf der Welt gibt, der uns an jüdischem Stolz und Selbstbewußtsein übertrifft. Es ist sinnlos, hier mit dem Spruche zu operieren: Wer nicht für mich, ist wider mich, und von Nichtjuden zu verlangen, daß sie uns nicht bloß durch die Tat unterstützen, sondern Herzensneigung entgegenbringen. Von dem Juden können wir verlangen, daß er auch mit Herz und Hand der unsere ist. Der Jude, der nicht im Herzen für uns ist, ist wider uns; von nur politischen Freunden das Gleiche zu verlangen und sie zurückzustoßen, wenn sie ohne persönliche Sympathie für uns sachlich unsere Rechte und Interessen fördern, sei unendlich naiv." Wenn die Leitung des Central-Dereins bei dem Falle Lenzmann nicht mit der Staatsbürger-Zeitung Hand in Hand gehe, so sei das keine Ghettopolitik, kein Mangel an jüdischem Selbstbewußtsein, keine Schwachmüiigkeit, keine Kammerknechtsgcsinnung. Eine solche Verkennung des Wirkens des Central-Vereins-Vorstandes sollte ein jüdisches Blatt den antisemitischen Zeitungen überlassen. Lange, bevor jenes Blatt begründet wurde, hätten die jetzigen Leiter des Central-Vereins die Losung „Selbstverteidigung im Lichte der Oeffentlichkeit" ausgegeben. Dieser Losung seien sie niemals untreu geworden, auch sicher nicht dadurch, daß sie sich gegen Verunglimpfung christlicher Helfer von jüdischer Seite aussprachen. Allezeit seien sie selbst in die Arena getreten für die gerechte Sache der deutschen Juden. Was und wie