Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-03-01
- Page
- 160 (sequence 9)
- Language
- German
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160 Im deutschen Reich. Akademikern besuchten Versammlung, in der am 17. Februar das zeitgemäße Thema „Akademische Freiheit" zur Erörterung gelangte, hat der einzige anwesende Vertreter des Professoren-Kollegiums der Berliner Universität, Professor Dr. von Liszt, unter lautestem Beifall der Studierenden es tief beklagt, daß die deutsche Studentenschaft in den letzten Jahrzehnten keine Gesamtheit mehr darstellte, sondern nur noch Gruppen bildete, welche die Exklusivität der Daseinsberechtigung beanspruchten. Unehrlich seien diejenigen, die am lautesten verkünden, der Student soll keine -Politik treiben, aber gleichzeitig ihn in ein einseitiges parteipolitisches Gebiet hineinziehen. Von denen, die einmal die geistigen Führer des Volkes werden wollen, müsse man doch verlangen, daß sie die großen Strömungen der Zeitgeschichte kennen. Wo aber sei bisher der Zorn der Studentenschaft entflammt gegen die Heuchelei im gesellschaftlichen Leben, wo sei der Mut der Ucberzeugung bekundet worden? Ein Strebergeist habe sich geltend genracht, der nur nach Ehren und Würden fragt. Daß die jetzige Bewegung die Hochschulen einte zu flammender Begeisterung für rein Ideales, bilde ihre weit über die Gegenwart hinausragende Bedeutung und stelle die Studentenschaft höher als die Philisterseelen, die ihr die akademische Freiheit nehmen wollen. Der Eindruck, den diese Kundgebung erzielte, wurde durch die Aeußerung des den Vorsitz in der Versammlung führenden Herrn Dr. Böhme, daß bei dieser Gelegenheit die Gegensätze unter den Studenten nicht hätten neu angeregt werden sollen, in keiner Weise abgeschwächt. Die Stimme des hochangesehenen Rechtslehrers von Liszt war ja auch keine vereinzelte: wenige Wochen vorher hatte schon auf dem Kommers des Vereins deutscher Studenten in Königsberg i. Pr. Profeffor Dr. Benrath im Namen des an der Teilnahme verhinderten Rektors der „Albertina" den Verein beglückwünscht und dann hinzugefügt: „Ich kann bezüglich der Frage, die anderswo im Verein deutscher Studenten leider viel Lärm erregt hat und noch erregt, nämlich der des Antisemitismus, dem Königsberger Verein bezeugen, daß er sich in den Zeiten, seit ich ihn habe beobachten können, von Gehässigkeiten fern gehalren hat. Schon die gentlemanlike Art des Mannes, deffen telegraphischen Glückwunsch Sie vorhin an erster Stelle vernommen haben — des Geheimrats Zorn — der wie ein Protektor jahrelang über Ihren Verein gewaltet hat, würde solches nicht zugelassen haben." Die jetzt zu einem vorläufigen Abschluß gelangte akademische Bewegung hat zweifellos vielfach Abneigung gegen die konfessionelle Zerreißung des ganzen Volkslebens hervorgerufen. In diesem Sinne äußerte sich in der „Frankfurter Zeitung" der Reichstagsabgeordnete