Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-03-01
- Page
- 159 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. 169 der Rassenkämpfe sein." — An die Stelle des verhängnisvollen Konfessionalismus das Rassenvorurteil setzen, eine Engherzigkeit mit einer noch viel weitere Kreise anfeindenden Engherzigkeit zu vertauschen, kann aber kaum der große Grundstrom der Bewegung sein, die sich zunächst zwar nur gegen das Umsichgreifen der konfessionellen Scheidungen im akademischen Leben richtete, jetzt aber, nachdem in diesem wieder größere Ruhe eingetreten ist, nicht dazu führen darf, andere Spaltungen zu erweitern. Dieser sicher richtigen Empfindung sind selbst die Mitglieder des Vereins deutscher Studenten nicht fremd, die seit dem Erscheinen des Kronprinzen auf ihrem Kommers offenbar das Bedürfnis empfunden haben, zu beweisen, daß die Absage an das, was nicht vornehm ist, für sie mehr Bedeutung habe, als die „Absage an das Judentum." Sie haben in ihrem Organ öffentlich den Bericht als „unbefugt und taktlos" bezeichnet, durch den die „Staatsbürger-Zeitung" den Verein deutscher Studenten für ihre Parteisache auszunützen versuchte. Auf die Aeußerungen der „Akademischen Blätter" antwortete die „Staatsbürger-Ztg." in einem „Vergiftete Pfeile" überschriebenen Artikel mit den heftigsten Zornesausbrüchen und sagte dabei u. a. wörtlich: „Wir haben von der Judenpresse schon manches erlebt, aber eine derartige Gehässigkeit noch nicht.- Da in diesem Artikel dem „Vereine deutscher Studenten" auch ein „Zurück weichen vor dem Judentum" vorgeworfen wurde, erklärte der Redakteur der „Akademischen Blätter" Paul: Bäcker unter ausdrücklicher Zustimmung des Vereinsvorstandes, er habe nur seine Korporation nicht „durch taktlose Ungeschicklichkeiten eines Blattes" sckädigen lassen wollen, „das den Manager des Grasen Pückler gespielt hat;" er vermisse ferner in den gegen ihn gerichteten persönlich ehrverletzenden Vorwürfen auch das Maß honorigen Denkens, das für ihn die Voraussetzung eines weiteren Eingehens auf derartige Insinuationen sei. Es erweckt aber Verwunderung, daß in derselben Nummer der „Akademischen Blätter" vom 1. März ein Artikel der Zeitschrift „Zeitfragen" abgedruckt ist, in dem vr. Karl Böhme sich dem Standpunkte der „Staatsbürger-Zeitung" wieder bedenklich nähert, indem er den Wunsch ausdrückt, daß der überhandnehmende gesellschaftliche Antisemitismus auf die politischen Verhältnisse noch siegreicher einwirken möchte. Er meint: „Der gesellschaftliche Antisemitismus ist eine Macht geworden im politischen Leben unseres Volkes durch den Einfluß der akademisch gebildeten Kreise." Dies mag wahr fein, aber dann ist es sicher weder ein Glück für das Volksleben, noch ein Ruhm für die Akademiker. In der von 3000 jungen und alten