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Im deutschen Reich · 1905-03-01 · Heft 3 (März 1905) · p. 158

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 3 (März 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-03-01
Page
158 (sequence 7)
Language
German
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158 Im deutschen Reich. entfallen, weil sie Treitschkes Auffassung der Judensrage auf das schärfste beleuchtete. Auf einem Gange nach dem „Speyerer Hof" bei Heidelberg sagte er einmal nach längerer Pause, ohne an Vorhergegangenes anzuknüpsen, ganz plötzlich: „Das Mittelalter war doch eine kernhafte Zeit, da verbrannte man die Juden, und kein Hahn krähte danach." Als er einige Jahre später mit einer kleinen Schrift, die damals viel Aufsehen erregte, in die Erörterung der Judensrage eingriff, fiel mir diese Aeußerung wieder ein; damals aber habe ich in der Oeffentlichkeit keinen Gebrauch davon gemacht, weil ich glaubte, daß ihm dies trotz feiner Unabhängigkeit von den Vorurteilen des Liberalismus nicht lieb sein würde. Jetzt aber, wo er lange im Grabe ruht, kann es, wie ich meine, nicht schaden, wenn man erfährt, wie Treitfchke zu den Juden stand, von denen er in jener Schrift gesagt hatte, daß sie „unser Unglück" seien — und das, obwohl er der letzte gewesen wäre, dem einzelnen auch nur ein Haar zu krümmen. Allein seine leidenschaftliche Natur suchte nach kräftigem Ausdruck dafür, was sie bewegte, er konnte keine schwammige Halbheit vertragen." — Wir glauben nicht, daß der Verfasser mit der Erinnerung dem Andenken Treischkes eine Ehrung erwiesen hat, aber es schadet nicht, daß sie der Vergessenheit entrissen wird, weil sie vieles erklärt, was heute die akademischen Kreise bewegt. Der Kampf um die akademische Freiheit, der in den weitesten Kreisen lebhafte Sympathien wachries, hat gezeigt, daß der wild gährende Most der deutschen studentischen Jugend doch einen guten Wein abgeben wird, wenn erst die Einflüsse der hochbegabten, aber nicht vorurteilsfreien Männer, welche die Studierenden zu einer leidenschaftlichen Teilnahme an nationalen und konseffionellen Streitigkeiten aneifern zu müssen glaubten, sich verflüchtigt haben werden. Daß die deutschen Studenten sich dazu aufraffen, dem „Konsessionalismus" entgegenzutreten, ist dafür ein erfreuliches Anzeichen; denn dieser sich auch auf vielen anderen Gebieten geltend machende Zug der Engherzigkeit steht in schroffstem Widerspruch mit der Freiheit, welche die gebildete deutsche Jugend als ideales Ziel „meint" und „die ihr Herz erfüllt." In einer Versammlung des „Deutschen Antisemiten-Bundes" (alias „Deutscher Mittelstandsbund"!) wandte sich vor einigen Wochen der Staatsbürger-Zeitungs-Mann, der Reichstags-Abgeordnete Böckler an die Studenten, mit der Mahnung: „Die nationale, völkische Bewegung muß für die studentischen Korporationen auch künftig die maßgebende sein; denn wie^das vergangene Jahrhundert das der Nationalkämpfe gewesen ist, wird das jetzige, wie sich in Asien und Afrika zeigt, das Jahrhundert

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