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Im deutschen Reich · 1905-03-01 · Heft 3 (März 1905) · p. 157

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 3 (März 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-03-01
Page
157 (sequence 6)
Language
German
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Umschau. 157 Herrn Bruhn vorhielt, daß es paffender gewesen wäre, seine Angriffe bis zur Anwesenheit des angegriffenen Regierungsvertreters zu verschieben. Er fügte dann hinzu, daß deutsche Minister nicht die Vertrau ensmänner einer Partei, sondern die der Krone seien, was schon deshalb nicht anders möglich sei, weil wir in Deuischland nicht große abgegrenzte, sondern viele kleine Parteien haben. Wenn die Aeußerungen eines Ministers sich nicht in dem Schema einer einzelnen Partei bewegen, könne der einzelne gewiß versuchen, durch Gründe den Staatsmann zu überzeugen, daß seine Partei das Richtige verfolgt. Aber es sei unrichtig, heftige Angriffe zu äußern, wenn ein Staatsmann eine Auffassung äußere, die nicht dem Parteiprogramm entspreche. Als parlamentarisch habe man cs bisher bezeichnet, öffentliche Angelegenheiten in einer im Tone mäßigen Erörterung zu behandeln, einem Tone, der die volle Schä'se des eigenen Standpunktes in den Vordergrund treten lasse. Ob die Ausführungen des Herrn Abg. Bruhn diesem Ideal entsprochen hätten, wolle er nicht weiter erörtern. Der antisemitische Abg. Kr ösell hat zwar im Reichstage ebenfalls gegen den Grasen Posadowskv polemisiert und feierlich erklärt, daß das Handwerk nicht erlahmen werde, den Befähigungsnachweis zu fordern, auch mit einer Selbsthilfe des Handwerks gedroht, aber doch etwas gemäßigter, als sein Gestnnungsgenoffe Bruhn, gesprochen. Die wirtschaftliche Selbsthilfe des Handwerks ist zudem das, was regierungsseitig gerade gewünscht wird, aber nicht zum antisemitischen Progamm gehört. Außerhalb des Parlaments gehen die Forderungen der Parteiführer erst recht weiter. In einer Versammlung der Leipziger Ortsgruppe des Deutschen Volksbundes verlangte Hans von Mosch am l 6. Februar in einem Vortrage über „den Existenzkampf des deutschen Mittelstandes" von der Regierung scharfe gesetzliche Maßnahmen, die der Vermehrung des Großkapitals eine Grenze setzen und die Entschuldung des Grund und Bodens herbeiführen würden. Ferner forderte er die allgemeine Bekämpfung des Judentums im nationalen Interesse. Im Allgemeinen wird man immer die Wahrnehmung machen, daß selbst in den Kreisen, die nicht der antisemitischen Partei angehören, aber mit ihr in Bezug auf die Judenfrage eines Sinnes sind, Gesinnung und Ausdrucksweise jede Spur von Vornehmheit vermissen laffen. In der Monatsschrift für „Stadt und Land" hat der kürzlich verstorbene Mitarbeiter der „Kreuzztg.", Frhr. Eduard v. Ungarn-Sternberg, seine Lebenserinnerungen veröffentlicht. Er teilt darin über Heinrich v. Treitschke Folgendes mit: „Auf den Inhalt unserer Gespräche kann ich mich nach mehr als dreißig Jahren nicht besinnen. Eine Aeußerung aber ist mir nicht

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