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Im deutschen Reich · 1905-03-01 · Heft 3 (März 1905) · p. 156

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 3 (März 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-03-01
Page
156 (sequence 5)
Language
German
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156 Zm deutschen Reich. das Pech, mißverstanden Zu werden und sollte sich deshalb deutlicher ausdrücken. Wie auch die Entscheidung fallen möge; er, d. h. Herr Bruhn, und seine Freunde, würden stets für die berechtigten Wünsche des Mittelstandes eintreten. Im Verlaufe der langen Rede, die eine vorzügliche Illustration zu der Aeußerung des Literaturhistorikers Bartels bildete, daß die Antisemiten „ehrliche Grobheit für vornehm halten", verlas der Abg. Bruhn auch das kürzlich in Berlin massenhaft verbreitete Flugblatt des Tischlermeisters L. Jumperts, der behauptet bei Lieferung einer Einrichtung dadurch betrogen worden Zu fein, daß ein jüdischer Rentier die Einrichtung für feine Tochter gekauft, die Quittung aber auf den Namen seines Schwiegersohnes, der bald darauf in Konkurs verfiel, habe ausstellen lassen, worauf der Schwiegervater die Sachen billig zurückerstanden, der Lieferant aber außer der Anzahlung nichts erhalten habe. Die „Welt am Montag" hat inzwischen eine Berichtigung der Beteiligten gebracht, wonach die Sachlage sich völlig anders darstellt. Herr Bruhn aber sagte im Reichstage: „Ich habe dem nichts hinzuzufügen; ich könnte sagen, das ist echt jüdisch! Wir Amisemiten können doch nichts dafür, daß dies zufällig Juden sind. Wir behaupten allerdings, daß das im Wesentlichen die Praktiken jüdischer Leute sind. Wir können auch nichts dafür, daß die Inhaber der sämtlichen großen Warenhäuser Juden sind, die durch kmsfüche und unreelle Praktiken und dergl. das Publikum anzulocken fertig bringen. Daß das ausgerechnet Juden sind, ist auch nicht unsere Schuld. Herr Wertheim soll ja wohl getauft fein, ob er gut getauft ist, weiß ich nicht. Wir verlangen, daß man vor der Asioziation des Kapitals, vor der Macht des Kapitals seitens der Staatsregierung keine Verbeugung macht, sondern der unlauteren Betätigung desselben mit Entschiedenheit entgegentritt, im Interesse unserer gesamten gewerblichen Berussstände." Das ist der Ton, den die antisemitischen Abgeordneten in der Volksvertretung anschlagen, der sich aber kaum von dem in den Pücklsr-Dersammlungen wesentlich unterscheidet und wohl mehr darauf berechnet ist, außerhalb des Parlaments als in demselben Anklang zu finden. Von einem Mitgliede der freisinnigen Volkspartei wurde schon am nächsten Tage die Erklärung abgegeben, daß der Ton, in welchem Herr Bruhn den Staatssekretär wegen der Ablehnung des Befähigungsnachweises angegriffen habe, im ganzen Hause peinliches Aussehen gemacht hätte. Der Staatssekretär Gras Posadowsky hat selbst in treffender Weise die demagogische Art der Antisemiten gekennzeichnet, indem er in einerder nächsten Sitzungen

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