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Im deutschen Reich · 1905-03-01 · Heft 3 (März 1905) · p. 155

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 3 (März 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-03-01
Page
155 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Umschau. 155 Zugeständnisse abzutrotzen, die sie zurBefriedigung ihrergewerbetreibenden Anhänger dringend brauchen, die bisher von den für die antisemitischen Führer gebrachten Opfern an Zeü und Geld keinen Nutzen gehabt haben. Dabei stoßen sie aber auf den Widerstand des Staatssekretärs Grafen Posadowsky, der sich bisher durch den Volksversammlungs-Wortschwall der antisemitischen Reichstagsabgeordneten in keiner Weise einschüchtern ließ. Bei der zweiten Beratung des Etats des Reichsamts des Innern verwies Graf Posadowsky auf die Schwierigkeit der Abgrenzung zwischen Handwerk und Fabrik und bezüglich des von den antisemitischen Parteisichrem so dringend verlangten Befähigungsnachweises auf Gutachten von Handelskammern, die rundheraus erklärt haben, die Einführung des Befähigungsnachweises sei nicht nur aussichtslos, sondern für das Handwerk geradezu schädigend. Der Staatssekretär fügte hinzu, die ganze Frage könne nur als eine akademische betrachtet werden, da sämtliche deutschen Regierungen gegen den allgemeinen Befähigungsnachweis seien, der Bundesrat sich also darüber nicht mit dem Reichstag einigen könne. Der Staatssekretär verwahrte sich auch in seiner Rede gegen die gehässigen Auslegungen seiner im Reichstage früher gesprochenen Worte über die „Assoziation des Kapitals", die er durchaus nicht in allen Punkten verteidigen wolle, deren internationale und monopolistische Ausschreitungen er keineswegs billige. Er fügte aber hinzu: „Darüber kann aber doch kein Mensch zweifelhaft sein, daß in der heutigen Zeit, wo so gewaltige Kulturaufgaben zu lösen sind, diese Aufgaben ohne eine Affoziation des Kapitals garnicht zu lösen sind. Die großen Eisenbahnstraßen, die große Anzahl gewaltiger Fabrikbetriebe, die doch wesentlich zur Förderung der Industrie beigetragen haben, wären anders garnicht zu erbauen gewesen. Wenn man nun diese Assoziation, wie es vielfach geschehen ist, absolut verwirft, so bleiben nur zwei Wege übrig: entweder, daß eine ganze Masse großer Aufgaben, die nur durch eine Assoziation zu lösen sind, nicht mehr gelöst wird — und darin würde wohl jeder einen großen Rückschritt erblicken —, oder man würde alle diese Ausgaben der Staatsgewalt übertragen, und man käme dann mehr oderweniger zu dem Kollektivismus, der von der äußersten Linken verteidigt wird." Im Verlauf der Reichstagsverhandlungen ist der Abg. Bruhn auf die angebliche Aeußerung des Staatssekretärs mrückgekornmen, daß unser ganzer Kulturfortschritt auf der Assoziation des Kapitals beruhe. Er aber halte die Warenhäuser nur für eine Spekulation auf die Dummheit und Bequemlichkeit der Massen. Graf Posadowsky habe sich in bedauerlicher Weise immer mehr nach links gewendet; seine Berechnungen schwebten in der Lust; er habe immer

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