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Im deutschen Reich · 1905-03-01 · Heft 3 (März 1905) · p. 154

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 3 (März 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-03-01
Page
154 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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154 Im deutschen Reich. tungen strotzenden Schrift des Konstanzer Gewerberats Dr. von Schwartz gehört auch dazu — so wenig vornehm gestaltet sich auch der zweite antisemitische Vorstoß, der sich gegen die Gewerbefreiheit richtet und auf eine Einführung des Befähigungsnachweises abzielt, der den mittelalterlichen ZunstZopf wieder zur Mode machen würde. Die Geschichte der Zünfte hat hinreichend bewiesen, daß der Zunftzwang nur zu fruchrlosen Kämpfen gegen das sogenannte Pfuschertum, zu endlosen Prozessen, zur Verhinderung des gewerblichen Fortschritts geführt und unter den Handwerkern ein Phäakentum großgezogen hat, das es begreiflich machte, daß dis französischen und englischen Industrien bis zum Aufschwung der neuzeitlichen freieren Organisation in Deutschland den Weltmarkt beherrschten. Diese Tatsachen sind den antisemitischen Parteiführern keineswegs fremd, aber sie brauchen einen Anhang, den sie weder in den Handelskreisen noch in den Arbeiterschichten erlangen können, und sie finden ihn dort, wo man sich nicht dazu aufraffen kann, auch den kleinen Werkstättenbetneb den neuen wirtschaftlichen Verhännissm anzupaffen und aus eigener Daft aus den Errungenschaften der rastlos schöpferisch wirkenden Technik möglichst Nutzen zu Ziehen. Diese mir der neuzeitlichen Gestaltung unzufriedenen Kreise noch unzufriedener zu machen, sie gegen die Regierung aufzureizen, die es nicht verantworten kann und will, einer kleinen Partei zu Leebe den verhängnisvollen Rückschritt zu mittelalterlichen Erwerbsverhältniffen zu machen, ist die vornehmste Beschäftigung der Antisemiten. Nebenher benutzen sie die schlimmsten Instinkte des Neides und des Argwohns, um den sogenannten Mittelstand, Zu dem doch die weitaus größte Mehrheit der deutschen Juden gehört, gegen alle jüdischen Mitbürger aufzureizen, als ob sie lauter große Kapitalisten wären, oder als ob der Wegfall ihres geschäftlichen Wettbewerbs auch nur einem einzigen christlichen Handwerker den geringsten Vorteil bringen könnte! Den von diesem Irrtum befangenen Handwerkern sollte man einmal freie Fahrt nach Wien verschaffen, damit sie sich davon überzeugten, ob die seit Jahren unter einem antisemitischen Parteiregiment stehende Donaustadt den kleinen Gewerbetreibenden eine bessere Existenz bietet als die deutsche Reichshauptstadt, die sich bisher gegen die sehr Zweifelhaften antisemitischen Segnungen erfolgreich gewehrt hat! Solche Erkenntnis wollen natürlich die antisemitischen Parteimanner nicht aufkommen Lassen. Die neuerdings vom Bunde der Landwirte auf dem Gebiete der Handele Vertragspolitik errungenen Erfolge sind dem großen Einfluß der landwirtschaftlichen Kreise zuzuschreiben. Diese Erfolge ermutigen die Antisemiten zu dem Versuche, der Regierung

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