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Im deutschen Reich · 1905-03-01 · Heft 3 (März 1905) · p. 150

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 3 (März 1905)
Article
Judentum und Christentum
Date
1905-03-01
Page
150 (sequence 7)
Language
German
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150 Im deutschen Reich. den Menschen Zu dem, was er der Religion sein soll. Dazu treibt ihn der Glaube an Len gerechten Gott; denn mag er in allem von ihm bedingt sein, in einem ist er frei: sein ist die sütlich freie Tat. In ihrer gerechten Beurteilung liegt die sittliche Erhabenheit, die Heiligkeit Gottes, deren Erkenntnis des Menschen Dasein zu einer Aufgabe macht. In Stunden der Andacht wird der Mensch in Gottes Nähe geleitet. Der Glaube an Gott führt den Menschen zum Glauben an den Menschen, zunächst an sich selbst. Jeder Mensch ist im Ebenbilde Gottes geschaffen — Prinzip der Einheit des Menschengeschlechts, — und hat die Aufgabe, wie die Fähigkeit, seinem Ideale, d. i. Gott, immer ähnlicher, heilig zu werden. Da dieses unendliche Ziel nur mit endlichen Mitteln erstrebt werden kann, entsteht der Kontrast Zwischen Ideal und Wirklichkeit, der uns einerseits zu ständiger Rechenschaft uns selbst gegenüber zwingt, andererseits nur durch den Gedanken der göttlichen Versöhnung uns immer wieder Vertrauen zu uns zu geben vermag; denn der Mensch ist von Natur frei von Sünde, befleckt sich nur durch seine individuelle Sünde; die Erbsünde wird entschieden geleugnet. Den eigentlichen Inhalt der Sittlichkeit stellt unser Verhältnis zum Mitmenschen dar. Entsprechend der Achtung vor dem Guten in jedem Menschen, erstreckt sich das Gebot der Sittlichkeit auf alle Menschen, seine Erfüllung ist nichts Lobenswertes, sondern Pflicht, Gerechtigkeit. Dies regelt sein Verhalten gegenüber allen, insbesondere auch gegen Fremde, gegen Sklaven, über die nur begrenztes Recht zugestanden wird; wir finden es wieder in den sozialen Gesetzen, die eine völlige Verarmung Zu verhindern bemüht sind, in den Vorschriften gegenüber dem Feinde. Werktätige Nächstenliebe, unbedingte Achtung des Guten im Nebenmenschen werden als Forderungen ausgestellt. Daraus erhellt auch der Glaube des Judentums an die Menschheit, an die Verwirklichung des Guten in ihr. Das erst ist die wahre Weltgeschichte, daß die Völker ihr Recht der Existenz sich verschaffen, indem sie den Anforderungen der Sittenlehre genügen. In ihrer Erfüllung liegt die Hoffnung aus die Mesfiaszeit, die nichts Geheimnisvolles, Ueberweltliches enthält, sondern die reine Forderung des religiösen Zieles der Menschheit. Diese Aufgabe hat das Judentum übernommen, als erste der Nationen, und sie der Welt verkündigt. Wenn nun diese Ideen es nichfl vermocht haben, den Sieg in der Menschheit zu erringen, so ist zu fragen, wie sie sich überhaupt halten konnten. In einem Schlußkapitel wird diese Frage behandelt.

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