Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Judentum und Christentum
- Date
- 1905-03-01
- Page
- 151 (sequence 8)
- Language
- German
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Judentum und Christentum. toi Bezüglich der Glaubensgedanken ist die Antwort schon früher gegeben, als die Einheit der Glaubenssätze erwiesen wurde. Aber auch rein äußerlich mußte zu ihrem Bestände die Gesamtheit reinerhalten werden. Hier ist der Zweck der Zeremonialsatzungen zu ersehen: „sie dienen nicht der religiösen Idee selber, sondern vorerst dem Schutze derselben durch die Erhaltung der Glaubensgemeinde (S. 151)." Auch diese Skizzierung des Gedankenganges in dem Backschen Werke zeigt, eine wie unendliche Fülle von tiefen Gedanken es enthalt, so daß die Schrift wohl geeignet ist, volle Aufklärung über das Wesen des Judentums zu bieten. Während aber es sich bei Esche!-- bacher nur um tatsächliche Untersuchungen handelt, in denen auf Grund beweiskräftiger Sätze Schlüffe gezogen werden, bietet diese Arbeit mehr eigene Urteile, deren unbedingte Geltung nicht erwiesen wird, so daß es verständlich ist, wenn diese oder jene Meinung auf Widerspruch stoßen wird. Im allgemeinen kann man sich mit den Darlegungen einverstanden erklären; eines nur soll hervorgehoben werden, was als zu schroffe Verurteilung erscheinen muß: die Behauptung, daß das Zeremonialgesetz nur zum Schutze der Gesamtheit er standen sei. Mag man auch aus dem Standpunkte stehen, daß es nicht ursprünglich zum Wesen des Judentums gehört habe -- wie keineswegs allgemein anerkannt wird — so muß doch Zugegeben werden, daß es heute Zum „Wesen" des Judentums gehört und da auch seinen Platz hat; denn es gibt „Vorschriften für bestimmte Verhältnisse, Ordnungen und Einrichtungen, in denen das religiöse Leben sich entwickeln, und durch die es geschützt und erhalten werden soll (Ejchelbacher S. 28)". Dieser erzieherische Wert paßt durchaus Zu dem von Back dargelegten Wesen des Judentums. Aus allem, was über die beiden Schriften gesagt werden konnte, erhellt zweifellos das eine, daß sie eine unvergleichliche Bereicherung der jüdischen Literatur bedeuten, und es ist zu wünschen, daß sie eine möglichst weite Verbreitung finden, damit sie die Judenheit mit dem Rüstzeug ausstatten, das sie befähigt, ihr Judentum hoch schätzen zu können bei sich selbst, es verteidigen zu können im Kampfe gegen die Angriffe der Feinde. Gustav Cohn.