Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1905-03-01 · Heft 3 (März 1905) · p. 148

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 3 (März 1905)
Article
Judentum und Christentum
Date
1905-03-01
Page
148 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316727-2316731-2334704--13553-2334789
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

148 Im deutschen Reich. Tode beginnenden Ausmalung seines Lebensbildes mit den finnigen Parabeln und den kraftvollen Aussprüchen unbekannte jüdische Männer wirksam finb, „die mit den unmittelbaren Erinnerungen an ihn eine Fülle von Zügen aus dem heiligen Schrifttum ihres'Volkes und von Lehren seiner Weifen verbanden." E-st allmählich beginnt ein Gegensatz zwischen den Anhängern der Lehren Jesu und dem Judentum sich aufzutmmen, der dann in offene Feindschaft ausbricht. Nun beginnt das losgetrennte Christentum seinen Siegeszug durch die Lande, aber mit diesem Erfolge nur deshalb, weil es sich auf die Vorarbeit stützen kann, die die jüdischen Niederlassungen in allen Staaten gegenüber den Heiden schon geleistet haben. Jetzt wird auch eine selbständige Entwickelung des Christentums herbeigeführt, mit den Lehren von der göttlichen Natur Christi, der Sündhaftigkeit der Menschen u. a., den Dogmen und der kirchlichen Verfassung: im letzten Grunde auch hier noch auf dem Judentum fußend. Eme Betrachtung über d e Auffassung der Religion als Gottes- und Nächstenliebe schließt das Werk. Dieser kurze Abriß zeigt zur Genüge den hohen Wert der Eschell bacherschen Schrift. Sie enthält nicht nur eine Kritik Harnacks in seiner Auffaffung vom Wesen des Christentums, sondern berücksichtigt auch andere Memungen vom Christentum, um ihnen das Judentum gegenüberzustellen. Damit aber hat sich der Vf. ein unvergleichliches Verdienst erworben. Denn unsere Zeit mit ihrem Bestreben, gerade auf religiösem Gebiete die Gegensätze möglichst verschwinden zu lassen, besser gesagt, unsere moderne Judenheit, sie muß es erfahren, daß Judentum und Christentum weit voneinander getrennt sind, und nur wenige, allerdings wesentliche Punkte gemeinsam sind; daß aber gerade das, was am Christentum anerkannt wird, dem Judentum entlehnt ist. Aus demselben Grunde muß auch die Eichelbachersche Schrift vor der Bäck'schen genannt werden: unsere Judenheit mag und will Zunächst erfahren, was das Judentum nicht ist, dann erst ist man geneigt zu suchen, was es ist. So ist die Bäcksche Schrift gewissermaßen auf der Grundlage der Eschelbacherschen aufgebaut, wenn auch theoretisch das Umgekehrte der Fall ist, die Darstellung der Vergleichung vorangeht. Bäck betrachtet das Wesen des Judentums von drei Gesichtspunkten aus: er fragt nach dem Charakter, den Ideen und der Erhaltung des Judentums. Das Judentum ist ein einheitlicher Begriff, der sich durch alle Zeiten hindurch beständig erhalten hat; nicht durch die Abgeschlossenheit des jüdischen Stammes, denn sie hat das Eindringen neuer Wahrheiten nicht hemmen können; nicht durch die Kraft „eines in ganz bestimmte, unumstößliche Formen abgegrenzten Dogmas," denn „den Platz der Dogma-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.