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Im deutschen Reich · 1905-03-01 · Heft 3 (März 1905) · p. 147

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 3 (März 1905)
Article
Judentum und Christentum
Date
1905-03-01
Page
147 (sequence 4)
Language
German
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Judentum und Christentum. 147 in den dämonischen Vorstellungen, die ein weites Gebiet besaßen, besonders aber in der Sekte der Essäer, leicht eine Einwirkung auf Jesus erkennen; die Ueberwindung von Dämonen ließ den Glauben eines Wundertäters ersteben, woraus die Anschauung von der Göttlichkeit Jesu sich entwickeln kennte. Gerade diese aber war es. gegen die sich die Juden stets auftthnten, der sie ihre eigene Messiasidee, ihre Ü berzeugung, „daß einst das Gute zur herrschenden Macht werden werde, dem alle Menschen sich beugen", entgegenstellten, für die sie litten und kämpften. Für den zweiten der Gedankenkreise: Gott der Vater und der unendliche Wert der Menschenseele, findet Harnack den deutlichsten Hinweis in dem „Vater-Unser"; hier sei der echte Gedanke der Gotteskindschaft zu erkennen. Doch ist nachzuweisen, daß nicht nur die Gedanken dieses Gebetes auch im Alten Testament oder den Lehren der Schriftgelehrten zu finden sind, sondern sogar die Worte nahezu ganz als Entlehnung bezeichnet werden müssen: der beste Beweis ihrer Abhängigkeit! Den gleichen Nachweis erbringt Eschelbacher für den Gedanken der väterlichen Vorsehung Gottes und den vom Werte der Menschenseele. Allerdings hat das Auftreten Jesus als „Sohn Gottes" eine Aenderung des jüdischen Gottesbegriffes im Gefolge gehabt, wie auch dadurch der Gedanke der „Erbsünde" erstand, der ebenso wie die Lehre von der „Gnadenwahl" die Auffassung von Gott dem Vater und dem Wert der Menschenseele stark zurückdrängte, bis man allmählich wieder sich der alttestamentlichen Auffassung näherte. Nicht minder als diese beiden Gedankenkreise zeigt auch der letzte eine starke Abhängigkeit von den jüdischen Lehren, „die bessere Gerechtigkeit und das Gebot der Liebe." Jesus selbst hat seine Lehren durch sein Leben am besten gezeichnet; für dieses aber wie auch für seine Lehren sind ihm die Propheten Israels Leitsterne gewesen. Auch zu seiner Zeit wurden die Gedanken der Propheten von den Schriftgelehrten anerkannt und gekündet, und nur, weil sie Jesus nicht als den göttlichen Messias anerkennen wollten, mußten sie so harte Worte über sich ergehen lassen. Jesus eigenartig ist nur die Lehre, den Feind zu lieben. — Alle diese Betrachtungen führen zu dem oben angeführten Ergebnis, das im wesentlichen aufzeigt, wie das Christentum, das Jesus predigte, nichts Neues, keine in sich geschlossene neue Lehre enthielt, sondern durchaus bedingt war von dem Judentum und seiner Lehre, dem Alten Testament. Dem zweiten Hauptteile Harnacks, in dem er den Gang des Christentums durch die Jahrhunderte verfolgt, stellt Eschelbacher einen gleichen gegenüber, und hierin zeigt er zunächst, wie an der nach Jesu

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