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Im deutschen Reich · 1905-03-01 · Heft 3 (März 1905) · p. 145

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 3 (März 1905)
Article
Judentum und Christentum
Date
1905-03-01
Page
145 (sequence 2)
Language
German
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Judentum und Christentum. 145 unternimmt die Reinigung des Judentums von den Entstellungen Harnack's, während Dr. Leo Bäck die positive Darstellung des „W sens des Judentums" sich Zur Aufgabe gestellt hat. Es ist ersichtlich, daß eines die notwendige Ergänzung des anderen bildet, und um fo erfreulicher, daß beide gleichzeitig uns vorgelegt werden: können wir doch nunmehr die Aufklärung über die ihnen zugrunde liegenden Fragen in weiteste Kreise dringen sehen. Es mag vorweg gesagt werden: beide Fragen konnten kaum bessere Bearbeiter finden, als es der Fall war. Zu einer Kritik des Harnackschen Werkes bedurfte es eines Mannes, der im jüdischen Schrifttum erfahren ist, um die Schwächen des Gegners ausfindig zu machen; er mußte aber mehr noch ein gründlicher Kenner des Reuen Testamentes und des Christentums sein, wollte er sich mit Erfolg auf dem Boden bewegen, der dem christlichen Gelehrten zum alltäglichen Tummelplatz geworden ist. In beiden Beziehungen erfüllt Echelbacher vollauf die Voraussetzungen, zeigt sich sogar vielfach dem Gegnerüberlegen. Man muß oftmals staunen, mit welcher Leichtigkeit er Harnack auf dessen eigenstem Felde schlägt, ohne die Voraussetzungen zu verlassen, die jener anerkannt hat; und seine Kenntnis des jüdischen Schrifttums berechtigt ihn wohl zu der Behauptung — für die erden Beweis durchaus liefert —, daß Harnack die zeitgeschichtlichen Verhältnisse des Judentums in den Anfängen des Christentums nicht kennt oder nicht beachtet, d. h. nicht kennen will. Auch die Darstellung des Judentums stellt gewisse Forderungen an den Bearbeiter. Es gehört dahin neben der selbstverständlichen Voraussetzung der Kenntnis der jüdischen Literatur eine religionsphilosophische Durchbildung, die tief in das Wesen der Religion überhaupt eingedrungen ist und damit erst das gründliche Erkennen des Judentums ermöglicht. Nicht viel leichter aber ist, die weitere Bedingung der strengsten Objektivität zu erfüllen, zumal es sich um Fragen handelt, in denen allzu oft das Gefühl über den Verstand die Herrschaft gewinnt. Dazu kommt, daß ja den direkten Anstoß zu dieser Darstellung zweifellos die durchaus subjektive der Tochterreligion gegeben hat, und die Gefahr nahe lag, in denselben Fehler zu verfallen. Aber Bäck hat mit größtem Geschick diese Klippen gemieden, und man muß die Feinheit beachten, mit der er die unerläßlichen Vergleiche rmt andern Religionen anstellt und frei von allem Apologetischen den Unterschied zwischen dem Judentum und ihnen aufweist, und da das ganze Werk von einer außerordentlichen Gedankentiefe erfüllt wird, dürfen wir uns wohl über seinen Besitz glücklich schätzen.

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